Wie war das noch, ich will den Blog mit meinen “Gedanken und Gefühlen” zumüllen? Dann schreib ich doch mal auf, was mir gerade beim Fernsehen durch den Kopf gegangen ist…
Es gab - mal wieder - einen Beitrag über die kürzlich entdeckten Fälle von Kindstötung und Kindesmisshandlung. Und ne Menge “Expertenmeinungen”, was man denn nun Alles tun könnte, um Kinder wie diese zu schützen.
Ist ja auch Alles schön und gut. Aber die Schreie nach mehr “Kontrolle” und “schärferer Überwachung” machen mir auch ein bisschen Angst. Warum? Ich denke da an die vielen Mütter, die einfach zwischenzeitlich mit ihren Kindern überfordert sind - also natürlich ohne akute Kindswohlgefährdung. An diejenigen, denen noch gut geholfen werden kann. Werden die sich bei diesem ganzen “Hype” und der aktuellen Berichterstattung noch an das Jugendamt wenden? Oder aus Angst, daß man ihnen ihr Kind wegnehmen könnte, lieber alleine weiter rumhampeln, bis die Situation schlimmer wird und es dann doch irgendwann “zu spät” ist …?
Ich kann natürlich nicht von mir auf andere schließen, aber mir wird schon ein bisschen mulmig, wenn ich daran denke, daß mich das Jugendamt besuchen könnte - und dabei vielleicht ein paar ungespülte Töpfe oder einen Milchfleck auf Mayas Strampler entdeckt und dadurch “Verwahrlosung” vermutet. Oder daß jemand mitbekommt, daß sie wegen ihrer Koliken auch mal länger schreit, und gleich die Behörden einschaltet wegen möglicher Vernachlässigung. Oder daß sie sich irgendwann mal an ner Tischkante ne Beule holt und die Ärztin plötzlich Misshandlung vermutet. Oder daß jemand in meiner Vergangenheit irgendwelche unangenehmen Passagen aufdeckt und mir die Fähigkeit zur Kindererziehung abspricht.
Noch schlimmer ist der Umgang mit den eigenen Gefühlen. Ja, ich werde ab und zu richtig wütend auf mein Kind. Nach ein paar durchgemachten Nächten mit wenig Schlaf ist man nunmal genervt, frustriert, hilflos, etc., da ist Wut halt nicht weit. Und alleine die Tatsache, daß ich mich hier sofort mit Erklärungen verteidige (und daß ich bestimmt 10 Minuten überlegt habe, ob ich es überhaupt aufschreibe), sagt mir doch, daß hier irgendwas schief läuft. Ich bin einfach nur wütend. Nicht mehr und nicht weniger. Wie tausende andere Mütter auch. Aber keiner spricht drüber, weil man sofort angeguckt wird wie ein Psychopath, der bestimmt demnächst eine eigene BILD-Schlagzeile kriegt. Dabei tue ich meinem Kind nichts. Und tausende andere Mütter auch nicht. Wir sind einfach nur Menschen mit ganz normalen Gefühlen.
Nicht, daß mich hier jemand falsch versteht. Manche Familien müssen und sollen auch überwacht werden, das Kindeswohl geht immer vor, keine Frage. Aber vielleicht sollte man parallel auch mal über die Arbeit der Jugendämter informieren - dann würden sich vielleicht mehr Mütter mit Erziehungssorgen dort frühzeitig zur Beratung melden, und zwar ohne die Angst, daß sie plötzlich ihr geliebtes Kind hergeben müssen…