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Horror Reloaded

geschrieben am Mittwoch, 5. November 2008 um 23:37 in Allgemein

OK. Das war definitiv das LETZTE MAL, daß ich einen Abszess öffnen lasse. Das mach ich nie, NIE wieder!!! … gut, kleinlaut zugeben muss ich wohl, daß ich bei akuter Lebensgefahr nochmal drüber nachdenken würde. Aber auch nur, weil Sterben zur Zeit nicht so recht in Frage kommt.

Jedenfalls war der Termin in der chirurgischen Ambulanz wieder Trauma-Material. Fing schon gut an: “Da ist ja noch Alles hart. Da hat der Kollege nicht weit genug geschnitten, da muß ich nochmal ran.”
Da ging dann schon meine Panik-Leuchte an. Aber - Galgenhumorist, der ich nunmal bin - habe ich erstmal weiter meine Witzchen gemacht. Und als er dann sagte, daß er da natürlich erst ne örtliche Betäubung reinsetzt, war ich etwas beruhigter. Wie konnte ich nur so blöd sein :x .. ich WEISS doch ganz GENAU, daß örtliche Betäubungen bei Entzündungen nicht wirken. Also zumindest bei mir nicht.

Und es kam, wie es kommen musste. Und ich weiss immer noch nicht, wie ich diese höllischen Schmerzen beschreiben soll. Man sagt ja manchmal “Ey, Alter, als ob Dich da einer n Messer reinsteckt und umdreht, ey”. Da habe ich nun keine Vergleichsmöglichkeit. Aber ich bin fast versucht, es zu testen, nur um zu gucken (oder besser: fühlen), ob das vergleichbar ist.
Auch diesmal habe ich geheult und gebrüllt. So laut, daß eine der Arzthelferinnen panisch an den Tisch gesprungen ist, um mich prophylaktisch festzuhalten. Zum Glück setzt mein Verstand nicht so weit aus, daß ich mich tatsächlich bewegen - und es damit wohl schlimmer machen würde. Könnte aber auch Schockstarre sein, keine Ahnung. Aber wenn die Prozedur 5 Sekunden länger gedauert hätte, wäre ich vermutlich wirklich vom Tisch gesprungen. Und das hätte dann auch die Arzthelferin nicht verhindern können…
Als Alles vorbei war, habe ich noch ne gute Viertelstunde mit Heulkrämpfen im OP-Raum gesessen. Irgendwo zwischen Schockzustand und Nervenzusammenbruch, laut schluchzend, schüttelnd, bis ich mich fast übergeben hätte.
Bleibt die Frage - WARUM tut das so weh? Der Schnitt wars diesmal wieder nicht. Den hab ich zwar heute deutlich und sehr schmerzhaft gespürt, aber ein Messer in die Achselhöhle rammen ist anscheinend kein Vergleich zu dem viel, viel schlimmeren Jodstreifen-Wechsel. Ich mein, ist ja auch nicht das erste Mal, daß mich einer aufschneidet und was reinstopft, hab ich beim Kaiserschnitt ja auch gehabt. Und da hab ich fast nix gespürt… ist die Innenseite eines entzündeten Abszesses SO extrem empfindlich? Oder liegt es an der - generell ja recht empfindlichen - Achselhöhle ..? .. *seufz* .. ich weiss es nicht. Ist wohl auch nicht so wichtig. Jedenfalls hab ich dem Arzt direkt danach gesagt, daß er das NIE WIEDER bei mir machen wird. Da hatter dann zwar doof geguckt, aber klaglos akzeptiert. Hat mir sogar angeboten, daß ich die Verbände selbst wechseln darf, um erstmal nicht wieder in die Praxis zu müssen. Das hat mein Mann dann auch gerade gemacht - aber natürlich erst NACH dem Fussballspiel, als das Blut schon fast durchgesuppt war. Aber das ist ein anderes Thema ..

Joah. Was habe ich nun also gelernt?
Auf der negativen Seite:
- Ich lasse keinen Abszess mehr chirurgisch öffnen, solange keine Lebensgefahr besteht.
- Mein Vertrauen in die Ärzte ist jetzt NOCH schlechter als vorher.

Auf der positiven Seite:
- Ich werde jeden Abszess, auch den kleinsten, sofort mit Zugsalbe behandeln. Ich habe bisher immer bis zu einer gewissen Größe gewartet, weil es einfach nicht immer notwendig ist. Aber das Risiko gehe ich nicht mehr ein.
- Die Schmerzen waren jetzt der finale Startschuss für meine Diät. Mit 20 Kilo weniger hatte ich - soweit ich mich erinnern kann - kaum Probleme mit Abszessen.
Ob ich die Diät auf Dauer durchhalte ist eine andere Frage, da muss ich ja auch andere Dinge berücksichtigen. Aber zumindest der Anfang ist jetzt gemacht.

Dann hoff ich jetzt einfach mal, daß der Jodstreifen noch ein bis zwei Tage hält, bevor er rausfällt. Daß der Abszess lang genug offen bleibt, damit auch wirklich alles rauskommt. Und daß ansonsten Alles gut verheilt …

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2 Kommentare zu „Horror Reloaded“

  1. Karolina sagt:

    Hey,
    ich bin durch mensa.de auf deine alte Homepage gekommen, hab gelesen und weiter gelesen, bin dann auf diesen Blog. Ich werde ab jetzt öfter vorbeischauen :-).
    Ich bin auch eine große Katzenfreundin (wie schon im letzten Kommentar erwähnt) und konnte gut nachfühlen, wie es für dich war als deine Fly gestorben ist. Ich habe auch schon zwei Katzen verloren.
    Ich wünsch dir gute Besserung! Als ich heute beim Zahnarzt war, wollte der mir eine teure Prophylaxe-Behandlung andrehen (obwohl meine Zähne in Ordnung sind). Paradox oder? Man soll gegen Bares eine (unnötige) Behandlung über sich ergehen lassen - nein danke!

  2. Mieze sagt:

    Hallo Karolina,
    danke für deinen Kommentar :)
    Jau, Zahnärzte sind nochmal ein Kapitel für sich .. Deine Geschichte erinnert mich ein bisschen an die Krone, die mir ein Zahnarzt trotz meiner Phobie vor ungefähr .. öhh .. 8 Jahren andrehen wollte. Der hat mich fast rausgeworfen, als ich abgelehnt habe. Und heute ist der betroffene Zahn einer der wenigen, die noch in Ordnung sind :roll:

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