Japp, jetzt werden sogar die Ärzte langsam gesprächig .. heute waren sie tatsächlich zu dritt .. Beide Oberärzte und noch ein .. öhmm .. anderer Arzt. Der Chefarzt wäre wohl auch dabei gewesen, wenn er keinen Urlaub hätte ..
Alle haben mir nochmals versichert, daß es das Beste für meine Mutter ist, wenn man sie gar nicht weiter behandelt. Der Tumor hat sich in der einen Woche zwischen den Aufnahmen “deutlich vergrößert”. Eine OP würde ihr Leben vermutlich eher noch verkürzen, Strahlen- oder Chemotherapie die Lebensqualität zu sehr beeinträchtigen .. naja, da rennen sie bei mir offene Türen ein, ich sehe es ja genauso .. aber ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, daß ich auch auf eine OP hätte bestehen können, es wäre keiner “böse” gewesen .. insgesamt waren sie sehr nett und mitfühlend … und dachten vermutlich alle, ich wäre herzlos .. ich hab ja das Talent, daß ich extrem ruhig bleiben kann, wenn es “ans Eingemachte” geht .. bevor ich da losheule, werde ich eher nervös .. aber ich denke schon, daß die Leute diesen Schutzmechanismus kennen ..
Das Gespräch mit dem sozialen Dienst verlief auch recht positiv. Wir waren uns schnell einig, daß ein Hospiz die erste Wahl ist - und hatten sogar das Glück, daß in unserem “Wunschhospiz” in Hamm Plätze frei sind .. ist für uns organisatorisch am günstigsten .. kilometertechnisch zwar etwas weiter weg als die in Dortmund, aber im Berufsverkehr vermutlich sogar schneller zu erreichen. Zudem wohnt die Familie meines Mannes nur ein paar Minuten entfernt .. nee, besuchen werden die meine Mutter wohl nicht - aber meine Schwiegereltern würden mich mit Sicherheit jederzeit abholen und sich um Maya kümmern, und müssten uns nicht erst durchs halbe Ruhrgebiet kutschieren .. und was ich auf der Internetseite so gesehen habe gefiel mir auch recht gut … auch die Sozialarbeiterin hat mit der Einrichtung gute Erfahrungen gemacht ..
.. obs das nun wirklich wird, entscheidet sich hoffentlich am Donnerstag morgen .. da treffe ich mich mit der Hospizleiterin im Krankenhaus, um zu schauen, ob meine Mutter “geeignet” ist ..
Leider habe ich keine Ahnung, was meine Mutter nun für “Eigenschaften” braucht, um dort aufgenommen zu werden
.. ich mache mir zB schon ziemliche Sorgen, weil sie mittlerweile nahezu blind ist (übrigens ein weiteres deutliches Symptom für ein Schmetterlingsgliom - sonst wäre nämlich logischerweise nur EIN Auge betroffen..). Laut Arzt kann sie bloß noch hell und dunkel unterscheiden. Ich wollte das zuerst gar nicht glauben, weil sie mir versichert hat, daß sie mich sieht. Aber als sie dann zur Toilette wollte, war die Sehstörung schon sehr, sehr deutlich. Sie hat praktisch nichts mehr gesehen .. ich habe sie begleitet, direkt mit dem Rücken davor gestellt, und wenn ich sie nicht festgehalten hätte, hätte sie sich trotzdem noch daneben gesetzt
.. das war ein sehr schwerer Moment für mich .. bisher liefen ja die “alltäglichen” Handlungen ganz gut. Das ist nun wohl schon vorbei
.. Macht aber - so blöd es jetzt auch klingt - “Hoffnung” auf eine höhere Pflegestufe .. die ist nämlich ganz entscheidend für den Kostenfaktor der Hospizunterbringung. Bei höchster Pflegestufe wären es um die 350 Euro Eigenleistung im Monat, die von ihrer Rente bezahlt werden könnten. Bei Pflegestufe 1 wären es schon fast 800 Euro .. da reicht die Rente schon bei weitem nicht mehr, und es wird für uns recht eng. Aber so gerade eben noch stemmbar, hoffe ich. Aber sollte sie - warum auch immer - gar keine Pflegestufe bekommen, sind wir bei über 1800 Euro im Monat. Und da muss dann das Sozialamt trotzdem wieder ins Spiel kommen, das ist anders nicht möglich *seufz* .. naja, warten wir es ab.
Der Antrag auf Betreuung ist nun auch endlich unterwegs. Der wurde nämlich - entgegen der Aussagen der Schwestern - noch gar nicht auf den Weg gebracht *grummel* .. aber der soziale Dienst kümmert sich jetzt drum. Und die Betreuung für meine Schwester wird dann gleich mit geregelt.
Bei der Einbeziehung meiner Schwester kann der soziale Dienst aber auch nichts machen. Mir wurde empfohlen, die Hausärztin meiner Schwester mit ins Boot zu holen. Und als generellen Tip: Die Wahrheit sagen, aber keine Details. Also sowas wie: “Mama ist jetzt pflegebedürftig und das wird sich auch nicht mehr ändern. Eine Operation würde ihr nicht helfen (noch denkt meine Schwester, das eine geplant ist..) Darum wird sie jetzt in ein .. ” .. ja .. und da kommt schon das erste Problem .. sage ich “Pflegeheim”, ist es gelogen. Sage ich “Hospiz” weiß meine Schwester Bescheid und ich könnte direkt sagen “Bald isse tot.” ..
.. muss ich nochmal drüber nachdenken. Aber ich soll auf jeden Fall die Prognose “6 Monate” verschweigen. Die Sozialarbeiterin sagte, daß es die Sache unnötig schwer macht .. und da es meiner Mutter kontinuierlich schlechter gehen wird, würde auch meine Schwester, Behinderung hin oder her, früh genug selbst mitbekommen, daß es langsam zu Ende geht, und könne sich dementsprechend vorbereiten ..
.. naja .. wie schonmal gesagt: Schritt für Schritt. Erstmal muß ich wissen, ob das mit dem Hospiz überhaupt klappt ..
Ein kleiner Trost in dem Ganzen: Die Ärzte sagen, daß auch bei weiter wachsendem Tumor keine Schmerzen zu erwarten sind. Und wer weiß, vielleicht können wir ohne die Haldol-Dröhnung doch noch ein paar schöne Tage auf der Innenhof-Terasse des Hospizes verbringen ..



