Argh .. schöne, neue Internetwelt .. in der man seine Symptome googeln und sich prima verrückt machen kann ..
Ich hab grad nochmal nach meinen dicken Beinen gesucht, die jetzt bei der Hitze doch recht nervig sind. Und worüber stolpere ich? Chronisches Nierenversagen .. und wie zu erwarten war, alle Symptome passen. Darüberhinaus ist die Diagnose für einen übergewichtigen Diabetiker mit Bluthochdruck auch ziemlich gut geeignet.
Klar .. dicke Beine, Magen-Darm-Beschwerden, herabgesetzte Belastbarkeit, Konzentrationsschwäche und co. können zig Ursachen haben. Besonders die letzten beiden sind bei mir ja nix Neues
.. aber trotzdem. Die Symptome deuten eigentlich sogar schon auf eine Harnvergiftung, also quasi “fast Endstadium” in. 10-Jahres-Überlebensrate stolze 55%. Und ich schieb Panik.
Jetzt nichtmal alleine wegen der Tatsache, daß die Nieren den Geist aufgeben. Ich hab auch keine Angst vor dem Tod. Ich hab Panik vor der BEHANDLUNG.
Die geht nämlich ans Eingemachte .. Abnehmen, Zucker einstellen, Rauchen aufhören, Blutdruck einstellen, kein Ibuprofen mehr (hab übrigens gerade ne - zum Glück recht milde - Zahnwurzelentzündung, die ich mit reichlich Ibuprofen bekämpfe..) .. ganz im Ernst: ich bin mit jedem einzelnen davon überfordert. Sonst hätte ich mit dem ein oder anderen Punkt schon längst angefangen. OK, gegen den Bluthochdruck kann ich vermutlich was machen. Und das Ibuprofen vielleicht durch 3fache Mengen Paracetamol ersetzen. Aber Rauchen aufhören? Zucker einstellen? Abnehmen? Keine Chance. Zumindest nicht zur Zeit, und wirklich ändern wird sich das die nächsten Monate/Jahre auch nicht.
.. und das Alles müsste natürlich von Ärzten überwacht werden. ÄRZTEN. Diese fiesen, meist weißgewandeten Leute, die ich nach Möglichkeit meide wie der Teufel das Weihwasser. Alleine beim Gedanken wird mir schon schlecht und ich könnte spontan losheulen.
OK. Angenommen, ich hab son Nierenversagen, angenommen, ich tu nix dagegen. Dann schlitter ich unweigerlich irgendwann in die Dialyse (wenn ich nicht vorher schon an nem Herzkasper o.ä. krepier). Super Aussichten. Wobei die Dialyse für Diabetiker ja nicht ungewöhnlich ist, was soviel heißt wie: Ich bin seit 20 Jahren irgendwie darauf vorbereitet. Wie auch auf Erblindung oder amputierte Füße.
Erschwerend kommt hinzu: Selbst wenn ich die ganzen Dinge schaffe, mein Blutzucker OK ist, mein Übergewicht nicht mehr so extrem, der Blutdruck runter, das Nikotin weg - und das Alles, ohne mich vor den nächsten Zug zu schmeißen, Wahrscheinlichkeit also unter 5% - das muss nicht automatisch heißen, daß meine Nieren dann wieder besser werden. Oder das Versagen gestoppt oder auch nur verlangsamt wird. Es erhöht die CHANCE. Genau. Ich geh durch die Hölle um am Ende zu hören, “Sorry, Frau R., hat doch nix gebracht.” .. oder auch “Prima, Frau R., damit haben wir 2 Jahre gewonnen!” - joah .. und ich gefühlte 20 verloren ..
Und wenn ich dann hier so sitze und drüber nachdenke .. dann drängt sich mir unweigerlich der Gedanke auf: Was soll der ganze Scheiß eigentlich noch? An meinem Leben wird sich nichts Großartiges mehr verändern. Ich werde niemals reich und schön sein, habe keine Karriere mehr vor mir, sowieso ständig irgendwelche Sorgen, und nicht im geringsten den Wunsch irgendwann alt und gebrechlich bei uns im Garten zu hocken.
Keine Sorge, ich bin nicht suizidal. Diese Option hat sich seit der Schwangerschaft einfach erledigt. Ich will meine Tochter aufwachsen sehen. Bis dahin möchte ich schon noch durchhalten.
Ich möchte einfach nur .. in der Gegenwart leben. Das Hier und Jetzt “genießen”, soweit ich kann. Jeden Tag so gestalten, daß ich nicht durchdrehe, sondern einfach .. da bin. Für meine Tochter da bin. Und solche Tage beinhalten nunmal keine Arztbesuche, keine Entzugserscheinungen, keine Schlechte-Laune-Diät, keine Blutzuckerwerte, die mich für Stunden aufregen .. ich bin mit Aufstehen, ums Kind kümmern, Küche putzen, Kochen und Arbeiten völlig ausgelastet. Teilweise schon überlastet. Mehr ist einfach nicht drin.
Klar, ich kenne die Kommentare: “Du musst an Dein Kind denken! Wenn Du jetzt nichts machst, bist Du in ein paar Jahren nicht mehr da! Und wenn Du erst zur Dialyse musst, biste mehrmals die Woche für Stunden weg!”
Ähm. Ja. Stimmt. Aber ob ihr’s glaubt oder nicht - ich denke bei meiner “Gegenwarts-Strategie” auch und ganz besonders an meine Tochter. Wisst Ihr, wie ich bei ner Diät drauf bin? Welchen Stress ein Nikotin-Entzug bei mir auslöst? Wie stark die stundenlangen Depressionen werden können, wenn ich nur einen schlechten Blutzuckerwert in mein Heft schreiben muss? Welche Panikattacken mich schon Tage vor einem Arztbesuch quälen?
Mal ganz im Ernst - ich kann in ein paar Jahren so oder so tot sein. Auch die gesündesten Menschen werden vom Auto überfahren, kriegen Krebs oder fallen die Treppe runter. Und was hat meine Tochter dann von mir gehabt? Eine zeternde, meckernde, verbitterte, depressive, panische Mutter. Und das im Klein- und Grundschulkind-Alter. Na danke. Das bringts.
Wie, die ganzen Sachen dauern ja nicht ewig?
Ha. Eine vernünftige Diät bei meinem Gewicht geht über Jahre. Es ist eigentlich eine Ernährungsumstellung für immer. Und nein, ich werd immer noch nicht von Gemüse satt und kriege Glücksgefühle, wenn ich Pommes esse. Respektive schlechte Laune, wenn ich keine essen darf. Und das wird sich nicht ändern.
Den Blutzucker “glatt zu halten” ist ebenfalls eine Lebensaufgabe.
Meine Ärztephobie ist mit Therapien nicht mehr zu bekämpfen. Im Ernst, wenn die Konfrontationstherapie was bringen würde, hätte ich es schon längst gemerkt.
Einzig der Rauchstopp ist irgendwann OK. Wobei bei meinem Krankheitsbild die Suchtgefahr erhöht ist, so daß die Wahrscheinlichkeit groß ist, daß ich auf Alternativen ausweiche. Nee, nicht saufen. Essen .. gut möglich. Beißt sich aber mit der Diät. Dann halt wieder schneiden. Oder so.
Und die Lösung? Hm. Weiß nicht. Happy-Pills? Die Dinger, die man hier kaum verschrieben kriegt? Die, die auch schön die Leistungsfähigkeit erhöhen, damit ich das Alles überhaupt schaffen kann (und die wahrscheinlich die Niere schädigen, haha)? Für die man erstmal nen Therapieplatz braucht? Den man bei einem guten Therapeuten haben will, der stundenlanges Bahnfahren erforderlich macht? Kann ich als Mutter eines Kleinkindes überhaupt in Therapie gehen, oder steht dann das Jugendamt vor der Tür?
Ach, ich weiß doch auch nicht. Ich will nicht weiter drüber nachdenken, das zieht mich Alles zu weit runter. Ich arbeite jetzt noch ne Runde und guck dann ne DVD. Dann geh ich ins Bett und träume davon, noch 20 Jahre halbwegs schmerzfrei durchzuhalten und dann ohne viel Quälerei einzuschlafen.
Nachtrag von .. tagsüber:
Joah .. so bei Lichte betrachtet .. ist das Alles wohl nicht so dramatisch wie es sich letzte Nacht angefühlt hat. Ich mein, nur weil ein paar ergoogelte Symptome passen, muss man ja nicht gleich vom Schlimmsten ausgehen^^ .. dennoch habe ich lebensrettende Sofortmaßnahmen eingeleitet: Ich versuche, fett- und salzärmer zu kochen. Das sollte keinen großen Aufwand bedeuten und mich dementsprechend psychisch nicht zu sehr belasten. Erste Amtshandlung: Brot ohne Butter, Fleisch ohne Fett anbraten und kein Salz ins Kochwasser für den Reis. Yeah. Jetzt werd ich kerngesund 100 Jahre alt *lol*



