7.
9.

Raffinierter Werbeanruf

geschrieben am Montag, 7. September 2009 um 13:23 in Merkwürdigkeiten

Unfassbar dreist .. ich gebe mal (in Auszügen) das Telefonat wieder, das ich gerade geführt habe. Dazu muss man sagen, daß die gute Frau sehr schnell und mit starkem Akzent gesprochen hat, ich schreibe das hier sehr verkürzt und wesentlich klarer auf:

- Telefon klingelt, unbekannte Rufnummer -
Ich: Hallo.
Sie: Guten Tag. Spreche ich mit Frau R.?
- Jepp.
- Sie nehmen ja seit Mai an einem Gewinnspiel teil. Das war bis Juli kostenlos, und sie haben nicht fristgerecht gekündigt.
- Öhm … hä?
- Na, das Online-Gewinnspiel! Das hat sich jetzt bis Dezember verlängert. Ich rufe an, um zu fragen, ob sich das automatisch nochmal 12 Monate verlängern soll .. manche wollen das ja nicht, trotz Geld-Zurück-Garantie ..
- Öhm … hä?!?
- Frau R., SIE haben sich ONLINE zu einem GEWINNSPIEL angemeldet… damit nehmen sie automatisch an hunderten anderen Gewinnspielen teil ..
- Nein, habe ich nicht.
- Doch, haben sie. Im Mai. Sie sind doch Frau R., xxstraße xx, Musterstadt?
- Öhh.. ja .. und was soll das für ein “Gewinnspiel” sein? Sagen Sie mir bitte nochmal GENAU die Firma, damit ich das prüfen kann ..
- Frau R., das weiß ich doch nicht! Wir telefonieren hier für über 600 Anbieter, das kann ich Ihnen nun wirklich nicht sagen! Das läuft doch Alles ONLINE!
- Aha.
- *langsam genervt* .. ich will Ihnen doch nur HELFEN. Es klingt danach, als ob sie die Sache nach Dezember NICHT verlängern wollen ..
- Jein. Ich will nicht nur nicht verlängern, ich will da SOFORT raus.
- So einfach geht das nicht. Bis Dezember müssen sie schon noch bezahlen. SIE haben ja nicht fristgerecht gekündigt! Aber sie bekommen die 59 Euro ja wieder, wenn sie nichts gewinnen. Das ist die Geld-Zurück-Garantie ..
- Ich werde da nichts bezahlen!
- Frau R., das müssen sie, das wird doch ABGEBUCHT!
- Bitte was? Woher zum Geier haben sie meine Kontodaten?!
- Na von Ihnen, als sie sich zum Gewinnspiel angemeldet haben!
- Das habe ich aber nicht!
- Frau R., wir können das Gespräch hier auch beenden!! Dann läuft das Alles schriftlich, und sie hängen in der Verlängerung!!
- Na, soweit kommt das noch!
- Ich kann sie hier aber auch direkt rausnehmen, dann schicke ich Ihnen nur noch die restlichen Unterlagen per Post ..
- Aha.
- Gut. Haben sie ihre Bankleitzahl im Kopf?
- *aha - es dämmert…* Öhmm .. nö.
- .. kleiner Tipp: es sind 8 Stellen ..
- Das sind immer 8 Stellen. Es ist eine Bankleitzahl, die haben IMMER 8 Stellen ..
- Achso, das wußte ich nicht. Und wie ist Ihre Kontonummer? Haben Sie die im Kopf?
- Öhmm .. nö?
- Würden sie die dann bitte raussuchen?
- Öhmm .. NÖ?!
- Frau R., ich habe ihre Daten doch bereits, ich muss sie doch nur vergleichen! Sonst kann ich sie hier nicht löschen!
- Ich gebe Ihnen meine Kontodaten nicht.
- Frau R.! Aber dann wird bei ihnen ABGEBUCHT! Viel GELD! WOLLEN sie das??
- Mir doch wurscht, buch ich dann halt zurück.
- Na dann VIEL ERFOLG! *knall* * *aufgelegt*

*kopfschüttel* .. Sachen gibts .. das Gespräch hat ne Viertelstunde gedauert, davon hab ich die ersten 10 Minuten gebraucht, um überhaupt zu verstehen, was die Olle da eigentlich will. Dummerweise hatte sie EXAKT die gleiche Stimme / Akzent wie die Hausärztin meiner Schwester, so daß ich nicht sofort aufgelegt habe ..
Mal sehen, was da nachkommt. Ich denke, man kann das Gespräch so zusammenschneiden, daß es so klingt, als ob ich einer Zusendung der “Unterlagen” zugestimmt hätte. Ich sollte mir angewöhnen, auf KEINE Frage mit einem JA zu antworten >.< ..
.. Aber das sollte kein Drama sein. Jedenfalls können sie nicht abbuchen. Ich bezweifle, daß die wirklich schon meine Kontodaten haben. Und ich kann es im Fall des Falles ja auch wirklich zurückbuchen ..

*seufz* .. dabei wollte ich meine halbwegs schmerzarme halbe Stunde für ein Nickerchen nutzen. Ich war ja auch gerade eingeschlafen, und noch nicht ganz wach, sonst hätte ich viel früher aufgelegt ..
Egal. Wird schon schiefgehen.

6.
9.

Arztbesuch

geschrieben am Sonntag, 6. September 2009 um 23:18 in Schlaflos

Jepp, ich war doch schon beim Arzt. Die Schmerzen wurden/werden immer schlimmer. Letzte Nacht hab ich vielleicht 2 Stunden geschlafen, wieder im Sitzen, und konnte danach vor Schmerzen nicht mehr geradeaus laufen. Hab mir dann mal nen Novalgin-Tramal-Cocktail gemixt, der dann nach ner Stunde (!) zumindest ein bisschen (!) geholfen hat ..

Also ab in die Notdienst-Praxis. Joah. 3 Minuten drin - und wieder raus. Mit folgender Anweisung: Nehmen se Ibuprofen und bewegen sie den Arm so wenig wie möglich. … *rolleyes* .. datt hätte ich mir auch sparen können *seufz*.
Ejal. Die Ärztin war der Meinung, da is was entzündet, vermutlich die .. öhh .. “Sehnenenden”. Liegt wohl an Kalkablagerungen, die jeder Mensch hat, und das kann schonmal zu Entzündungen führen. Aha. Und da gibbet nix besseres als Ibuprofen? Erst nach hartnäckigem Widerspruch ließ sie sich “zwingen”, mir EIN Diclofenac-Zäpfchen mitzugeben .. naja .. besser als nix .. ob und wie das Zeug bei mir wirkt, weiß ich ja auch noch nicht, ich werd das heute Nacht mal antesten ..

Joah. Dann werd ich wohl morgen nochmal mit meinem Hausarzt sprechen. Die Ibuprofen-Höchstdosis von 1600mg am Tag reicht jedenfalls nicht gegen die Schmerzen. Der Apotheker meinte, ich könnte auch mal nen Tag 2000mg nehmen, aber da wäre dann auf jeden Fall Schluss .. :(
Mal sehen, ob ich den Arzt zu nem Hausbesuch überreden kann .. ich kann meinen Arm nur noch etwa 10cm bewegen, und auch normales Laufen tut schon ganz schön weh ..
Mein Mann nimmt Maya morgen früh direkt mit zu seiner Mutter .. passt mir auch nicht so ganz, aber ist wohl die beste Lösung .. ich krieg sie ja nichtmal auf den Wickeltisch :( .. und es kann ja immer Situationen geben, in denen ich “notfallartig” beide Arme brauche. Und ja, ich weiß, daß es mit Sicherheit einarmige Mütter gibt, die prima zurecht kommen. Aber ich bin es zum einen nicht gewöhnt, und zum anderen denke ich evtl. nicht dran, daß ich meinen linken Arm nicht belasten kann, greife damit beherzt zu - und packe daneben, oder lasse sie fallen .. ist mir gerade erst passiert, als ich ohne Nachzudenken nach der Cola greifen wollte - hab einfach nicht getroffen, da der erreichte Arm-Winkel nicht mit dem zusammengepasst hat, den sich das Gehirn vorgestellt hat .. neenee, das hat keinen Zweck ..

Dann drückt mal die Daumen, daß das schnell weg geht .. soll laut Ärztin “ein paar Tage” dauern, wenn ich den Arm konsequent schone ..

5.
9.

Argh. Schmerz.

geschrieben am Samstag, 5. September 2009 um 23:30 in Schlaflos

Ach Leute, es ist doch zum Kotzen .. ist ja generell alles nicht so toll im Moment, Mutter geht es zur Zeit relativ schlecht (liegt seit ein paar Tagen nur noch im Bett), der Kater meiner Schwester ist ziemlich krank (Leberentzündung), dazu dann die üblichen Erkältungen (Schweinegrippe, anyone?), bla, vom Stress und psychischem Druck will ich zur Zeit gar nicht erst anfangen ..
.. und da ich ja ein absolutes Glückskind bin, kann ich seit gestern meinen linken Arm kaum noch gebrauchen … *haumitkoppauftischkante*.
Boah, sind das ätzende Schmerzen.
Eigentlich fing es an wie immer .. ich hab schon seit .. öhmm .. JAHREN immer wieder so komische, undefinierbare Oberarmschmerzen, im äußeren Bereich. Mal mehr, mal weniger. Ich hatte dazu auch schon des öfteren gegoggelt, aber nie was gefunden. Hab dann gedacht, joah, hast ja schon Athrose inner Hüfte und ab und an mal nen Rheuma-Schub, wird wohl damit zusammenhängen.
Als der Schmerz dann gestern immer heftiger wurde, wusst ich dann aber auch endlich, wo er überhaupt genau herkommt: Von der Außenseite der Schulter. Da tuts nämlich gerade sauweh, wenn man draufdrückt.
Ungebildet, wie ich in manchen Dingen ja zwangsläufig bin, hatte ich echt angenommen, da an der Außenseite ist ja praktisch nix, was weh tun könnte .. also so ähnlich wie bei nem Playmobilmännchen .. ne Schulterkugel, und da innen dran dann halt son Stück, was in den Oberkörper geht ;). Naive Vorstellung, ich weiß.. Und das konnte ja bei den komischen Schmerzen so auch nicht ganz hinkommen … also mal flott nach der Anatomie der Schulter gegoggelt .. und - tadaaa - da “außen” is doch was. Ne Menge Zeug. Sehnen. Ein Schulterdach. Son oller Schleimbeutel. Und da ist jetzt wohl was kaputt.
Meine Selbstdiagnose lautet im Moment: Impingement-Syndrom. Ist gar nicht mal so selten, und es passt wie die Faust aufs Auge. Es erklärt auch, warum ich letzte Nacht nur im sitzen schlafen konnte - wenn die Lücke zwischen Oberarmkopf und Schulterdach verengt ist, hat man halt weniger Schmerzen, wenn der Arm herunterhängt.
Die akuten, starken Schmerzen kommen dann wohl von ner Schleimbeutelentzündung. Macht Sinn. Dann mache ich mit dem Einwerfen von Ibuprofen auch gerade nix falsch, ist ja auch n leichter Entzündunghemmer. Bringt leider schmerztechnisch nicht gerade viel *seufz*.
Mit ganz viel Pech isses aber auch (evtl. zusätzlich) eine .. öhmm .. “Rotatorenmanschettenruptur”, also ein Sehnenriss. Sowas passiert auch durch Verschleiß, da muss nix besonderes “passiert” sein .. darauf deutet hin, daß ich den Arm auch dann nicht besonders gut bewegen kann, wenn ich mal gerade für 5 Minuten nicht so dolle Schmerzen habe, sowie die ausstrahlenden Schmerzen bis zum Ellenbogen .. aber das ist nur ne evtl. Möglichkeit, kann auch alles nur von dem Schleimbeutel kommen. Das wird der Arzt dann nächste Woche schon feststellen .. super, noch ein Termin und noch mehr Sorgen .. und DIREKT was machen außer Entzündungshemmern und Schmerzmitteln .. hmm .. naja, vielleicht ne Spritze .. aber da hab ich richtig Bammel vor, die ist an der Stelle bestimmt nicht ohne :(

Bis dahin muss ich jetzt irgendwie durchhalten. Selbst das normale tippen fällt schon schwer, geht aber so gerade noch. Aber ich kann halt den Arm kaum bewegen. Da werden so Kleinigkeiten wie “mal eben das Kind hochheben” zu ner großen Hürde. Es funktioniert zwar, muss es ja notgedrungen auch, aber es tut halt saumäßig weh. An Schlaf ist auch kaum zu denken. Und außerdem braucht man sonen Arm ja auch recht häufig. Schon das An- und Ausziehen heute war ein Kraftakt. T-Shirt übern Kopp ziehen? Vergiss es .. mit dem rechten Arm geangelt und irgendwie schräg nach vorne .. Unterhose und Jeans hochziehen? Joah, mit dem rechten Arm, die Verrenkungen sahen bestimmt lustig aus :( .. BH? .. ach, brauch ich heute nicht .. Anschnallen, Teller tragen, Pfanne spülen, Nase putzen .. eigentlich tut Alles irgendwie weh .. *jammer* .. um mir zum Kochen einen Zopf zu machen (lange Haare schmecken im Essen nicht so toll), habe ich mich mit dem linken Ellenbogen aufs Waschbecken gestützt und dann meinen Oberkörper laaangsaaam in die Richtung gebeugt, bis ich mit den Fingern irgendwie das Zopfgummi um die Haare tüdeln konnte .. is doch alles Scheiße ..

Tja. Mal abwarten, welcher Teil meines Körpers als nächstes den Geist aufgibt .. :(

18.
8.

Erkenntnisse

geschrieben am Dienstag, 18. August 2009 um 01:31 in Merkwürdigkeiten

Ich habe soeben festgestellt:
Meine Fingernägel sind nach dem Spülen so weich, daß ich mich nichtmal mehr am Arsch kratzen kann, ohne daß sie umknicken.

Noch eine merkwürdige Information mehr, die mein Gehirn nun wohl auf ewig zumüllt. Naja, sie ist dort in guter Gesellschaft - so neben dem Text von “Cowboy und Indianer” (komm hol das Lasso raus … *würg*). Oder neben dem sonderbaren, irgendwo aufgeschnapptem Wissen, daß Analverkehr eine halbe Stunde nach dem letzten Stuhlgang am Besten klappt (Ich begrüße hiermit herzlich all diejenigen, die bei einer Suchmaschine “Analverkehr” eingetippt haben). Oder daß laut Pythagoras a²+b²=c² ist, ich mich aber beim besten Willen nicht mehr daran erinnern kann, diese Information im Berufs- oder Privatleben JEMALS gebraucht zu haben. Wann brauche ich schonmal Dreiecke? Das trifft übrigens auf geschätzte 90% meines Schulwissens zu .. irgendwie frustrierend… Und wusstet Ihr, daß Elefanten nicht springen können?
Hunderte Informationen, fast alle so unwichtig, daß mir jetzt schon keine mehr einfallen .. aber im unpassendsten Moment plöppt irgendwo im Hirn ein Türchen auf, und heraus kommt der Text von Anita (ich traf sie irgendwo.. *röchel*). Aber wehe, ich suche mein Handy. Oder den Namen meines gerade getroffenen Gesprächspartners, den ich mit Sicherheit irgendwoher kenne, den ich aber nur debil angrinsen und dem ich nur “ach, du hier? lange nicht gesehen!” entgegenflöten kann. In der leisen Hoffnung, daß er sich in irgendeiner Form vorstellt ..
Und dabei nutzen wir angeblich nur 10% unseres Gehirns. Naja, kein Wunder, daß die so schnell voll sind, bei dem ganzen Mist, den man sich im Laufe seines Lebens merkt.

So, sinnloses Gelaber beendet. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

15.
8.

Alltime Favourites IX

geschrieben am Samstag, 15. August 2009 um 23:31 in Musik

*seufz* .. ja, auch die Onkelz hatten schöne Lieder .. auch wenn ich da eher auf die Balladen stehe ..
.. hier zwei Stück, die ich im Moment wieder ganz gerne höre:


9.
8.

Deprimierender Geburtstag

geschrieben am Sonntag, 9. August 2009 um 02:36 in Familie

Naja, die Geburtstagsfeier meiner Mama war ja eigentlich nicht schlecht. Viele nette Leute, das Wetter war glücklicherweise super, wir haben gegrillt, Alles OK ..
.. aber schon auf dem nach-Hause-Weg hab ich dann gemerkt, daß es mir doch ganz schön an die Nieren geht. Zum einen einfach die Tatsache, daß es ihr letzter Geburtstag gewesen ist. Zum anderen war es natürlich auch anstrengend, so viele Stunden am Stück dort zu verbringen. Mutter war zwar soweit ganz gut drauf, aber man merkt, daß die Sehkraft langsam schon wieder nachlässt .. sie hat mit mehr oder weniger Erfolg auf ihrem Teller rumgestochert, und manchmal auch was erwischt … hatte aber keine Ahnung, was es ist, bevor sie es im Mund hatte. Ich habe ihr dann beim Essen geholfen, Sachen klein geschnitten, ihr auf die Gabel gesteckt .. es war so .. merkwürdig .. so “verkehrt herum”, meine Mutter wie mein Kind zu behandeln ..

*seufz*.. ja, doch, irgendwie Alles deprimierend. Ist ja auch normal. Und ich sitze jetzt ja auch nicht heulend in der Ecke (obwohl auch DAS normal wäre). Aber das muss ich jetzt irgendwie durch. Hauptsache, Mutter hatte einen schönen Geburtstag .. und ich denke, es hat ihr gefallen. Bis auf die Musik, über die sie sich die ganze Zeit beschwert hat .. ja, “Das rote Pferd”, “20 Zentimeter” und “sie liebt den DJ” sind für meine Mutter auch ein Graus *lach*

30.
7.

Neues von Simon’s Cat

geschrieben am Donnerstag, 30. Juli 2009 um 01:02 in Allgemein

.. zwischendurch mal was anderes .. es gibt endlich was Neues von Simon’s Cat .. und wieder sehr treffend :) .. viel Spaß ..

29.
7.

Kurzfristige Verbesserung

geschrieben am Mittwoch, 29. Juli 2009 um 03:50 in Familie

Meiner Mutter ging es heute ein ganzes Stück besser als die letzten Tage. Da kann man mal sehen, was Haldol für ein Teufelszeug ist …

.. als wir im Hospiz ankamen, saß sie im Gemeinschaftswohnzimmer. Sie hat uns sofort erkannt. Ihr Sehvermögen ist immer noch sehr schlecht, aber es ist tatsächlich nochmal besser geworden. Was außer uns natürlich wieder keinem aufgefallen ist - als ich der Schwester sagte, daß meine Mutter mir die Firma der Sitzkissen vorgelesen hat, ist sie fast vom Glauben abgefallen. Rauchen ging auch problemlos, und zu 90% hat sie auch den Aschenbecher getroffen. Und zielsicher das Fanta-Glas greifen ging auch.
Wenn ich es richtig verstanden habe, hat sie in der Mitte des Sichtfeldes noch einen kleinen Bereich, in dem sie ein bisschen was erkennt. Sie hat zu meiner Schwester (ja, sie war dabei!) nämlich gesagt, daß sie nur ihr Auge sieht, und das sähe müde aus ..

Auch vom sprechen her war sie wesentlich weniger verwirrt. Klar, Kurzzeitgedächtnis ist immer noch weg. Aber sie hat kaum noch merkwürdige Dinge gesagt. War eigentlich fast wie eine normale Unterhaltung .. Die andere Seite der Medaille ist, daß sie auch wieder mehr mitbekommt. Sie ist sehr traurig, weil sie eben kaum was sieht. Weil sie sich nicht mehr bewegen kann wie vorher. Weil sie so viel machen will, aber nicht kann. Ihr gefällt das Hospiz, aber sie wäre lieber bei uns. Sie macht sich Sorgen, wie wir ohne sie zurechtkommen. Dazu dann ganz viele Fragen .. wie lange sie denn jetzt noch hierbleiben soll. Wann sie die Katzen wiedersieht. Und was das wohl extra kostet, wenn sie jetzt noch ne Fanta trinkt, das Alles wäre doch bestimmt eh schon sehr teuer …

Ich hab mich mit meinen Antworten soweit wie möglich rausgewunden. Sie ist dort im Urlaub. All-inclusive, sie muss sich keine Sorgen machen, es ist alles bezahlt. Daß wir nicht wissen, wie lange sie im Urlaub bleibt. Daß bei uns Alles suuuuper läuft. Thema wechseln hilft natürlich auch, nach ein paar Minuten hat sie die Frage ja wieder vergessen .. deswegen sagen wir ihr ja auch nicht, was wirklich los ist. Es würde nichts bringen, weil sie es immer wieder vergisst.

Insgesamt waren wir über ne Stunde da, und haben hauptsächlich im Innenhof gesessen und geraucht. Allerdings war sie wieder sehr müde .. sie bekommt immer noch Beruhigungsmittel. Ist besser so für ihr Wohlbefinden, da sie die ganze Zeit doch ziemlich ängstlich ist, weil sie kaum was sieht. Sie hat ja auch keine Chance, sich daran zu gewöhnen - sobald sie die Augen aufmacht, ist die Sehstörung wieder neu, sie hat es ja wieder vergessen. :( .. aber ansonsten .. joah .. fast wie vor anderthalb Wochen ..

Auf eine Art bin ich ganz froh, daß meine Schwester sie recht fit erlebt hat. Sie hatte ja große Angst, daß Mutter völlig .. fremd ist. … Auf der anderen Seite .. mir tut es schon wieder weh .. ich habe halt meine bereits verloren geglaubte Mama im Ansatz wieder gesehen, mit dem Wissen, daß ich sie doch wieder gehen lassen muss. Für mich wäre es “anders” vermutlich leichter. Aber ich gönne ihr natürlich jeden halbwegs schönen Tag, und muss selbst sehen, wie ich damit klarkomme. Im Prinzip bewahre ich eine gewisse gefühlsmäßige Distanz. So, wie sie weniger meine Mutter ist, bin ich weniger ihre Tochter. Ich fühle mich in ihrer Gegenwart manchmal eher wie .. eine Krankenschwester, die sich liebevoll um einen netten, verwirrten Menschen kümmert. Mag für Euch jetzt “falsch” klingen, aber das scheint der Weg zu sein, den mein Gehirn zur Zeit als “erträglich” einstuft.

24.
7.

Ungeplante Geständnisse

geschrieben am Freitag, 24. Juli 2009 um 13:54 in Familie

*seufz* .. jetzt habe ich meiner Schwester doch schon Alles erzählt .. aber von vorn:

Meine Mutter ist heute früh im Hospiz angekommen. Jepp, das ging Alles sehr schnell, das Gespräch gestern lief sehr, sehr gut. Ich denke, sie ist dort wirklich gut aufgehoben.
Die Hospizleitung hat mir dann auch angeboten, mit meiner Schwester zu sprechen. Wir sollten dann alle am Wochenende vorbei kommen.
Das war bis vor zwei Stunden auch kein Problem … und dann meinte meine Schwester plötzlich, sie will nicht mitfahren. Muss sich ja auf die Arbeit am Montag schonmal vorbereiten. Und Lust hat sie eh nicht. Und sowieso und überhaupt .. nach ner halben Stunde Hickhack und am Ende fast Streit habe ich ihr dann gesagt, daß Mutter im Hospiz ist. Ich konnte einfach nicht mehr. Es MUSSTE raus. Ich hatte langsam echt Panik, daß sie das Spielchen nun Woche für Woche wiederholt, bis es irgendwann zu spät ist… und wie ich erwartet hatte, wußte meine Schwester auch sofort, was ein Hospiz ist ..

Ihre allererste Reaktion war dann auch “Warum hast Du mir das nicht früher gesagt?!” … :( … danach .. naja .. es lief eigentlich den Umständen entsprechend ganz gut. Sie hat mich gebeten, die Nachbarin zu holen, die war auch in 5 Minuten da. Dann hat sie viel geweint und viel erzählt. Z.B., daß sie das eigentlich schon geahnt hat, weil sie Mutters Symptome schon bei einem Hirntumor-Patienten in einer Fernsehserie gesehen hatte. Ihre größte Sorge schien erstmal zu sein, daß sie sich jetzt auch noch vom Auto verabschieden muss .. nein, keine Sorge, ich weiß, warum sie das sagt .. hat sich mehrfach entschuldigt, weil sie weinen muss, sie sei ja schließlich schon erwachsen .. solche Sachen halt.

Ja, da wird noch ne ganze Menge nachkommen. Sowas verarbeitet man nicht in ner halben Stunde, da hängt noch viel, viel mehr dran, was ihr erst in den nächsten Tagen / Wochen auffallen wird.
Ob sie morgen mit zum Hospiz fährt, wissen wir noch nicht. Ich vermute mal, daß sie nicht mitfahren wird. Und es ist jetzt auch ihre eigene Entscheidung. Für den Fall, daß sie hier bleibt, weiß die Nachbarin Bescheid und kommt rüber, meine Schwester soll jetzt nicht alleine sein.
Ob sie am Montag arbeiten geht .. tja .. eigentlich wollte sie unbedingt, schon wegen der Ablenkung .. aber als sie dann nach und nach merkte, daß ich es auch OK fände, wenn sie zu Hause bleibt, hat sie “die Chance genutzt”. Klingt jetzt fies, aber ich kenne sie ja .. aber ist für mich jetzt auch kein Problem. Dann rufe ich Montag vormittag eben bei der Caritas an, und fahre mit ihr Nachmittags zum Arzt.

Joah .. *atmetiefdurch* .. wieder ein Schritt geschafft, wenn auch nicht wirklich geplant. Als nächsten Schritt hoffe ich, daß sich das mit der Betreuung schnell regelt .. heute kam ein Riesenstapel Rechnungen und Mahnungen für meine Mutter, und ich kann noch nicht ans Konto. Nee, ist jetzt noch kein Drama, wenn sich bis Mitte nächster Woche nichts tun, muss ich halt die Reste vom Sparbuch kratzen, ich kriegs ja wieder. Oder ich telefoniere rum, um die Situation zu erklären. Aber ich fühle mich dann halt doch ein Stück weit ruhiger, wenn ich erstmal die Finanzen im Griff habe ..

Ansonsten gehts mir so lala. Eigentlich eher ganz gut, aber meine Mutter hat heute morgen angerufen um zu sagen, daß sie gut angekommen ist. Naja, nee, nicht wirklich. Das hat die Hospizleitung gesagt und ihr den Hörer gegeben. Das Gespräch war dann doch sehr wirr, viel zusammenhangloses Zeug. Sie schien Sorgen zu haben daß wir “irgendwas nicht hören”, und meinte, wir müssen “den richtigen Sender finden”. Und mittendrin hat sie dann Maya im Hintergrund gehört, und war dann (scheinbar) ganz kurz wieder völlig normal .. “Ach, ist das die Kleine? Gib sie mir mal! Hallo Maya, hier ist die Omi!” - und das übliche Schnuckiputzi-Heititei-Baby-Blabla … eben genauso wie immer. Sie hat mir dann auch gesagt, daß “da draußen” ein Hospiz ist, konnte mit der Information aber irgendwie nichts anfangen. Und direkt danach wieder zurück zum “Sender-Kommunikations-Problem” .. :( .. dieses Auf-und-Ab geht mir schon gewaltig an die Nieren, da habe ich dann erstmal ne halbe Stunde heulend auf dem Sofa gesessen .. naja, das wird in der nächsten Zeit immer wieder vorkommen.
Morgen fahren wir dann erstmal hin und bringen die dringend benötigte Kleidung mit. Sie hat anscheinend gar nichts mehr im Krankenhaus gehabt .. und ich könnte mir in den Hintern treten - mein Mann hat gestern Abend noch gefragt, ob wir noch was ins Krankenhaus mitnehmen sollen. Aber da die Schwestern schon vormittags Alles gepackt hatten, hielt ich das irgendwie für überflüssig .. *grummel* .. nungut. Die Frau vom Hospiz sagte, bis morgen kommen sie schon irgendwie zurecht .. ist mir trotzdem fürchterlich peinlich.

So, ich muss aufhören, meine Schwester ist wieder unten. Sie möchte unbedingt noch ein paar Fotos von den Gartenblumen und den Katzen machen, damit Mutter sie sich ansehen kann ..

22.
7.

Gespräche, Gespräche ..

geschrieben am Mittwoch, 22. Juli 2009 um 01:05 in Familie

Japp, jetzt werden sogar die Ärzte langsam gesprächig .. heute waren sie tatsächlich zu dritt .. Beide Oberärzte und noch ein .. öhmm .. anderer Arzt. Der Chefarzt wäre wohl auch dabei gewesen, wenn er keinen Urlaub hätte ..

Alle haben mir nochmals versichert, daß es das Beste für meine Mutter ist, wenn man sie gar nicht weiter behandelt. Der Tumor hat sich in der einen Woche zwischen den Aufnahmen “deutlich vergrößert”. Eine OP würde ihr Leben vermutlich eher noch verkürzen, Strahlen- oder Chemotherapie die Lebensqualität zu sehr beeinträchtigen .. naja, da rennen sie bei mir offene Türen ein, ich sehe es ja genauso .. aber ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, daß ich auch auf eine OP hätte bestehen können, es wäre keiner “böse” gewesen .. insgesamt waren sie sehr nett und mitfühlend … und dachten vermutlich alle, ich wäre herzlos .. ich hab ja das Talent, daß ich extrem ruhig bleiben kann, wenn es “ans Eingemachte” geht .. bevor ich da losheule, werde ich eher nervös .. aber ich denke schon, daß die Leute diesen Schutzmechanismus kennen ..

Das Gespräch mit dem sozialen Dienst verlief auch recht positiv. Wir waren uns schnell einig, daß ein Hospiz die erste Wahl ist - und hatten sogar das Glück, daß in unserem “Wunschhospiz” in Hamm Plätze frei sind .. ist für uns organisatorisch am günstigsten .. kilometertechnisch zwar etwas weiter weg als die in Dortmund, aber im Berufsverkehr vermutlich sogar schneller zu erreichen. Zudem wohnt die Familie meines Mannes nur ein paar Minuten entfernt .. nee, besuchen werden die meine Mutter wohl nicht - aber meine Schwiegereltern würden mich mit Sicherheit jederzeit abholen und sich um Maya kümmern, und müssten uns nicht erst durchs halbe Ruhrgebiet kutschieren .. und was ich auf der Internetseite so gesehen habe gefiel mir auch recht gut … auch die Sozialarbeiterin hat mit der Einrichtung gute Erfahrungen gemacht ..
.. obs das nun wirklich wird, entscheidet sich hoffentlich am Donnerstag morgen .. da treffe ich mich mit der Hospizleiterin im Krankenhaus, um zu schauen, ob meine Mutter “geeignet” ist ..
Leider habe ich keine Ahnung, was meine Mutter nun für “Eigenschaften” braucht, um dort aufgenommen zu werden :( .. ich mache mir zB schon ziemliche Sorgen, weil sie mittlerweile nahezu blind ist (übrigens ein weiteres deutliches Symptom für ein Schmetterlingsgliom - sonst wäre nämlich logischerweise nur EIN Auge betroffen..). Laut Arzt kann sie bloß noch hell und dunkel unterscheiden. Ich wollte das zuerst gar nicht glauben, weil sie mir versichert hat, daß sie mich sieht. Aber als sie dann zur Toilette wollte, war die Sehstörung schon sehr, sehr deutlich. Sie hat praktisch nichts mehr gesehen .. ich habe sie begleitet, direkt mit dem Rücken davor gestellt, und wenn ich sie nicht festgehalten hätte, hätte sie sich trotzdem noch daneben gesetzt :( .. das war ein sehr schwerer Moment für mich .. bisher liefen ja die “alltäglichen” Handlungen ganz gut. Das ist nun wohl schon vorbei :( .. Macht aber - so blöd es jetzt auch klingt - “Hoffnung” auf eine höhere Pflegestufe .. die ist nämlich ganz entscheidend für den Kostenfaktor der Hospizunterbringung. Bei höchster Pflegestufe wären es um die 350 Euro Eigenleistung im Monat, die von ihrer Rente bezahlt werden könnten. Bei Pflegestufe 1 wären es schon fast 800 Euro .. da reicht die Rente schon bei weitem nicht mehr, und es wird für uns recht eng. Aber so gerade eben noch stemmbar, hoffe ich. Aber sollte sie - warum auch immer - gar keine Pflegestufe bekommen, sind wir bei über 1800 Euro im Monat. Und da muss dann das Sozialamt trotzdem wieder ins Spiel kommen, das ist anders nicht möglich *seufz* .. naja, warten wir es ab.

Der Antrag auf Betreuung ist nun auch endlich unterwegs. Der wurde nämlich - entgegen der Aussagen der Schwestern - noch gar nicht auf den Weg gebracht *grummel* .. aber der soziale Dienst kümmert sich jetzt drum. Und die Betreuung für meine Schwester wird dann gleich mit geregelt.

Bei der Einbeziehung meiner Schwester kann der soziale Dienst aber auch nichts machen. Mir wurde empfohlen, die Hausärztin meiner Schwester mit ins Boot zu holen. Und als generellen Tip: Die Wahrheit sagen, aber keine Details. Also sowas wie: “Mama ist jetzt pflegebedürftig und das wird sich auch nicht mehr ändern. Eine Operation würde ihr nicht helfen (noch denkt meine Schwester, das eine geplant ist..) Darum wird sie jetzt in ein .. ” .. ja .. und da kommt schon das erste Problem .. sage ich “Pflegeheim”, ist es gelogen. Sage ich “Hospiz” weiß meine Schwester Bescheid und ich könnte direkt sagen “Bald isse tot.” .. :( .. muss ich nochmal drüber nachdenken. Aber ich soll auf jeden Fall die Prognose “6 Monate” verschweigen. Die Sozialarbeiterin sagte, daß es die Sache unnötig schwer macht .. und da es meiner Mutter kontinuierlich schlechter gehen wird, würde auch meine Schwester, Behinderung hin oder her, früh genug selbst mitbekommen, daß es langsam zu Ende geht, und könne sich dementsprechend vorbereiten ..
.. naja .. wie schonmal gesagt: Schritt für Schritt. Erstmal muß ich wissen, ob das mit dem Hospiz überhaupt klappt ..

Ein kleiner Trost in dem Ganzen: Die Ärzte sagen, daß auch bei weiter wachsendem Tumor keine Schmerzen zu erwarten sind. Und wer weiß, vielleicht können wir ohne die Haldol-Dröhnung doch noch ein paar schöne Tage auf der Innenhof-Terasse des Hospizes verbringen ..

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