21.
7.

Schritt für Schritt

geschrieben am Dienstag, 21. Juli 2009 um 08:56 in Familie

.. anders ist die ganze Sache wohl nicht zu bewältigen ..

Ich habe gestern dann doch endlich erfahren, daß meine Mutter zu 99,x% an einem Glioblastom leidet, höchstwahrscheinlich Schmetterlingsgliom. Und das jetzt auch ohne OP - die Chef- und Oberärzte haben sich die Aufnahmen nochmal angeschaut und sind zu diesem Schluss gekommen.
Aufgrund der Lage und ungünstigen Prognose wird jetzt auch gar nicht mehr operiert. Oder Strahlentherapie gemacht. Oder ne Chemo. Es würde alles nichts mehr bringen ..
Die Ärzte gehen davon aus, daß sie noch etwa ein halbes Jahr zu leben hat. :(

Nungut. Im Moment sehe ich die Sache meistens recht nüchtern. Zum einen, weil ich mich seelisch darauf vorbereitet hatte, zum anderen ist es wohl einfach ein Schutzmechanismus ..

Joah. Nun müssen wir sehen, wie es weitergeht. Im Krankenhaus bleiben kann sie ja nun nicht mehr lang, wenn nichts gemacht wird ..
Ich hoffe, daß ich sie in einem schönen Hospiz unterbringen kann. Hier zu Hause kann ich sie leider nicht pflegen .. ich habe heute Nachmittag einen Termin beim sozialen Dienst um das abzuklären. Die können mir hoffentlich auch dabei helfen, meine Schwester zu informieren …
Mit dem Amtsgericht habe ich heute auch schon telefoniert, wegen der Betreuungssache. Dort ist noch gar kein Antrag eingegangen *grummel* .. aber mein Name ist notiert, auch schon für die Betreuung meiner Schwester .. und einen Termin mit dem Stationsarzt habe ich heute Nachmittag auch noch, den werd ich dann auch gleich mal fragen, wo der Antrag abgeblieben ist ..

So nach und nach werden sich die Dinge wohl finden. Alles auf einmal kann ich nicht .. aber für meine Verhältnisse habe ich heute schon viel erreicht. OK, für die meisten Leute sind es einfach nur ein paar Telefonate, für mich ist das schon ein Kraftakt ..
.. und eigentlich … ist es wohl nicht schlecht, wenn man ein paar Sachen klären muss .. das lenkt die Aufmerksamkeit wenigstens ein bisschen vom Kern der Sache ab: Meine Mama wird bald sterben. Das muss ich jetzt so hinnehmen. Der Satz hängt in meinem Kopf .. aber wirklich begreifen .. das wird wohl noch ne Weile dauern ..

19.
7.

Kurznews

geschrieben am Sonntag, 19. Juli 2009 um 13:25 in Familie

Öhmm .. Mutter wird morgen evtl. doch operiert .. wenn ich den Arzt richtig verstanden habe, der mich gerade angerufen hat, er hat leider nen sehr starken Akzent ..
Er macht sich wohl Sorgen, weil Mutter nichts mehr sieht (.. ach nee ..) .. er ist sich aber nicht sicher, ob es “nur” psychisch bedingt ist, wegen der Persönlichkeitsveränderung. Denn eigentlich hätte es mit dem Cortison ja erstmal besser werden müssen .. also macht er heute zur Sicherheit noch ein CT und entscheidet dann - mit seinem Vorgesetzten - über die OP.
Und ich habe auch erfahren, warum das mit der Betreuung so spät und plötzlich ging - meine Mutter hatte bis Donnerstag der OP zugestimmt - und dann am Freitag plötzlich gesagt, sie wolle nicht mehr operiert werden o.O … DAS erklärt die Sache natürlich. Hätte mir ja auch mal jemand sagen können ..
Der Arzt meinte jedenfalls, daß wir um die Betreuungssache in diesem Fall kurzfristig drumrum kommen, da ich bestätigen konnte, daß Mutter mal gesagt hat, daß sie die OP will. Auch wenn sie das natürlich jetzt nicht mehr weiß. Außerdem sei sie ja noch .. öhhh .. “räumlich und zeitlich orientiert” .. *kratzamkopp* .. ich sag da jetzt mal nix zu .. hauptsache, es wird endlich mal was gemacht. Und ich bin mir auch sicher, daß Mutter bei klarem Verstand der Operation zugestimmt hätte.
Er will nachher nochmal anrufen .. mal sehen, was sich bis dahin ergeben hat ..

Nachtrag:
Nö. Ist natürlich nix passiert. Die Untersuchung ist auf morgen verschoben, die OP weiterhin abgesagt. Und laut Schwester kann die ohne die Betreuungs-Sache auch nicht stattfinden.
Tja. Da lief die Absprache mit dem Chefarzt wohl doch nicht so gut *rolleyes* .. also alles beim Alten .. :(

19.
7.

Gedankensortierung

geschrieben am Sonntag, 19. Juli 2009 um 04:18 in Familie, Schlaflos

Oh, diese Nächte .. *seufz* .. hab gerade wieder einen akuten Anfall von Traurigkeit .. obwohl .. nein, ich glaube, es ist schon Trauer :(
Ja, ich weiß, man soll die Hoffnung nicht aufgeben, bla, es könnte ja noch, blubb .. aber sehen wir den Tatsachen ins Auge: Mutter hat da was im Kopf. Es sitzt sehr tief. Es wächst sehr schnell. Es hat wahrscheinlich gestreut. Die Symptome weisen auf ein fortgeschrittenes Stadium hin. Die Wahrscheinlichkeit, daß es doch noch was Gutartiges ist, geht gegen Null. Aber auch nur, weil man ja Wunder nie ausschließen kann ..
Unter Berücksichtigung aller bisher bekannten Fakten muss man von einem Glioblastom ausgehen. Was eine Überlebenszeit von durchschnittlich 6 bis max. 24 Monaten bedeutet. Und in diesem Mittelmaß sind Alle enthalten, die in irgend einer Form behandelt wurden. Also auch die, bei denen man so ziemlich alles rausschneiden konnte. Wo es früh entdeckt wurde. Wo unwichtigere Gehirnareale betroffen waren. Leute, die wesentlich jünger und fitter sind als meine Mutter. Was bedeutet, daß meine Mutter eher am kurzen Ende der Skala liegen wird .. und da die Symptome wie gesagt schon sehr ausgeprägt sind, und der Chefarzt meint, man könne das Ding nicht rausholen .. sagen wirs mal so: Ich bin mir recht sicher, daß sie nicht mehr bis Weihnachten durchhält. Ich bezweifle sogar, daß sie Mayas zweiten Geburtstag im Oktober noch erlebt… :(
.. und selbst wenn .. ohne eine Entfernung des Tumors werden sich auch die Symptome nicht wirklich verbessern können. Meine Mutter würde zum Pflegefall und bräuchte Rundumbetreuung ..

Dazu kommt trotzdem die Angst, daß sie doch noch zwischendurch wieder “normal” wird … ich hatte letzte Nacht einen meiner typischen “Abschiedsträume” .. die habe ich immer, wenn irgendjemand (wie auch immer) aus meinem Leben getreten ist .. Exfreunde, Familienmitglieder, mein ungeborenes, verlorenes Kind, meine Katze .. und jetzt war es meine Mutter (ein Indiz für Trauer statt Traurigkeit). In diesem Traum war sie wieder völlig normal, hatte aber nur noch sehr kurze Zeit zu leben .. es war die Hölle. So sehr ich meine Mama auch wieder haben möchte .. es würde mir vermutlich viel leichter fallen, sie aus diesem jetzigen Stadium heraus gehen zu lassen .. mein Gehirn leistet ja auch schon großartige Verdrängungsarbeit .. ich kann mich (wenn ich wach bin) nicht daran erinnern, wie meine Mutter genau war, bevor sie sich so verändert hat. Ich versuche es immer wieder mal, aber die Bilder entgleiten mir einfach.. da wird sich mein Gehirn schon was bei denken. Und es kann sowas auch sehr lange aufrecht erhalten. Wenn ich an meinen Vater denke, sehe ich auch nur den alten, keuchenden, meckernden Mann, der wild gestikulierend auf dem Sofa sitzt und meine Mutter stimmlos anmotzt. Erinnerungen an davor .. nur kurze Szenen. Auch da eher die “schlechten”. Mein Vater ist jetzt seit fast 6 Jahren tot, und es ist nicht wirklich was dazugekommen ..

Mein gemischtes Bauch-/Kopfgefühl (um es mal diffus auszudrücken) sagt mir also: es dauert nicht mehr lang. Und danach handle ich auch schon. Ich habe bereits eine Checkliste für Todesfälle heruntergeladen, damit ich nichts Wichtiges vergesse. Ich hab den Namen “unseres” Bestatters ergoogelt, damit die im Krankenhaus nicht den “falschen” anrufen. Meine Güte, ich hab schon über Trauerfeier und Blumenschmuck nachgedacht .. und seit 2 Tagen versuche ich mich aufzuraffen, um Mutters Dokumente zu suchen. Geburtsurkunde, Stammbuch, etc. .. braucht man ja Alles im Todesfall .. aber das fällt mir dann doch noch zu schwer ..

Weiteres Indiz für Trauer statt Traurigkeit: Als ich vorhin gemerkt habe, daß es mir langsam schlechter geht, war mein erster Gedanke: ich geh mal hoch zu Mama, dann gehts mir besser .. und dann kam die Erkenntis wie ne Bratpfanne quer ins Gesicht - Mama ist nicht da. Und sie wird auch nie mehr da sein. Jedenfalls nie mehr so wie früher. Kein Dreiweiberrat. Kein Trösten bei Ehekrach oder anderen Problemen. Kein Händchenhalten nach ner Zahn-OP. Keine gemeinsamen 3-Generations-Ausflüge. Und noch tausend andere Sachen, die mein Gehirn gnädigerweise gerade nicht ausspuckt.

Also sitze ich hier nun und trauere. Und habe gerade das GANZ starke Bedürfnis, einfach loszurennen, zu meiner Mama ins Krankenhaus. Nachts um 4 aber keine Option .. und wenn ich dann heulend an ihrem Bett säße und vor mich hinstammele, daß sie nicht sterben soll, daß sie wieder zurück kommen soll .. damit mach ich sie ja dann völlig verrückt .. sie weiß ja von nichts .. also müsste ich mich wieder zusammenreißen .. und nach ner Viertelstunde verliere ich dann wieder die Kraft, und müsste eh wieder gehen ..

Also weiter sitzen. Und heulen. In Gedankenstrudel abdriften. So viele Gedanken .. und ich krieg sie nicht sortiert. Ich komm mir vor, als würde ich in einem Ozean schwimmen, um mich herum unzählige, wuselige Gedanken-Haie. Gaaanz weit entfernt am Horizont ist ne winzig kleine Hoffnungs-Insel. Ich versuch mich freizukämpfen, die Haie wegzuschieben, eine Schneise zu schaffen, zu dieser verdammten Insel zu schwimmen .. und im Grunde weiß ich doch, daß sie viel zu weit weg, unerreichbar ist .. also kann meine erste Priorität nur sein, mich irgendwie über Wasser zu halten. Tagsüber geht das ganz gut, aber Nachts .. wird es zunehmend schwerer, nicht einfach unterzugehen…
Nein, die Zeiten, in denen ich eine Gefahr für mich selbst war, sind vorbei. Ich habe eine kleine Tochter, die mich braucht. Einen Mann, der mich liebt. Ein Leben. Und irgendwo ist da auch die Stimme, die sagt, daß es ganz natürlich ist, daß die Eltern vor einem diese Realität verlassen. Daß es unweigerlich irgendwann auf mich zukommt. Ob es nun morgen, in 3 Monaten, 5, 10 oder 20 Jahren ist - es wird immer verdammt schwer sein.
Und trotzdem hatte ich heute ein paar Mal den verlockenden Gedanken, einfach wieder in die Psychiatrie zu gehen. Alle Verantwortung abzugeben. Lustige Leute, 3 Mahlzeiten, evtl. nette Medikamente, ein bisschen Basteln .. aber ohne meine Tochter möchte ich nirgendwo hingehen ..

Mal sehen .. vielleicht frage ich am Montag im Krankenhaus mal nach psychologischer Angehörigen-Betreuung .. vielleicht gibt es ja sowas … hauptsache, es gibt nicht nur Seelsorger .. ja, ich weiß, die machen einen guten Job, und verhalten sich dabei normalerweise auch konfessions-neutral .. aber alleine beim Gedanken an “Gott” krieg ich Ausschlag. Ich kann niemanden verstehen, der bei solchen Schicksalsschlägen noch an einen netten, gutmütigen, allmächtigen Schöpfer glaubt, der auf uns aufpasst. Wo ist das Arschloch denn, wenn man ihn braucht?! Hey, Gott! Für den unwahrscheinlichen Fall, daß Du da irgendwo bist: schwing Deinen Arsch hier runter und mach meine Mama wieder gesund! Beweise mir, daß es Dich gibt, lass den Tumor einfach per Zauberhand *plöpp* verschwinden! Und jetzt sach mir nicht, daß ich meine Mama dafür nach Lourdes karren muss, Du wirst ja wohl genug Macht haben, Dich vor Ort darum zu kümmern!

OK, ich drifte ab. Das ist was gutes. Lieber einem Hai Namens “Gott” auf die Omme hauen, als von den anderen gefressen zu werden.

Ich denke, ich breche dann hier erstmal ab. Ich könnte wohl stundenlang weiterschreiben, jeden einzelnen Gedanken auseinandernehmen .. was wird mit meiner Schwester .. können wir das Haus behalten .. kriegt mein Mann Urlaub, wenn ich ihn brauche .. blablabla .. aber das würde mir jetzt nichts nützen. Da klicke ich lieber noch 2 oder 3 Stunden auf die bunten Icons bei Inspector Parker ..

18.
7.

Scheiß Formalitäten

geschrieben am Samstag, 18. Juli 2009 um 20:06 in Familie

AAAAAARGHHHH .. manchmal möchte man mit dem Kopf vor die Wand hauen .. obwohl .. nein .. ich würde eigentlich grad lieber das Pflegepersonal mit dem Kopf vor die Wand hauen. Mein Kopf ist mir dann doch zu schade, und Schuld bin ich schließlich auch nicht :x

Mutters OP am Montag wurde einfach mal abgesagt. Warum? Weil sie einen gesetzlichen Betreuer braucht, um über eben diese OP zu entscheiden .. und den hat sie natürlich nicht. Ich hab von solchem Zeug doch keine Ahnung, und hatte die naive Vorstellung, daß die nächsten Angehörigen (=ich) über sowas entscheiden können. Klar, vielleicht nicht über lebenserhaltende Maßnahmen, wo Patientenverfügungen o.ä. angeraten werden .. und für die bisherigen Behandlungen und Untersuchungen war schließlich auch nichts dergleichen nötig. Und zur Not hätte ich immer noch gedacht, daß WICHTIGE Sachen so oder so gemacht werden ..

Nö. Natürlich nicht. Den Idioten fällt am FREITAG NACHMITTAG auf, daß meine Mutter ja gar nicht mehr geschäftsfähig ist. Klar, bis Montag ist dann natürlich nix mehr zu machen ..
… grmph .. das hätte Alles ganz prima diese Woche erledigt werden können. Wenn es mir verdammt nochmal einfach irgend jemand GESAGT hätte! Ich übernehm doch die Betreuung, ist doch kein Thema .. ich muss es nur WISSEN! .. meine Güte, die OP ist nicht erst seit gestern geplant, und geschäftsunfähig ist meine Mutter auch schon seit über ner Woche :(

Und was da jetzt abläuft, kann mir auch keiner sagen. Die Schwester hat mir nur erzählt, daß sie von der Betreuungssache auch absolute keine Ahnung hätte. Die Ärzte hätten das schon “in die Wege geleitet”. Ja, äh, und WAS? .. weiß sie auch nicht .. und die Ärzte sind auch alle nicht da .. sozialer Dienst ist am Wochenende auch nicht erreichbar .. aber man würde mich ja dann bestimmt fragen, wenn es soweit ist ..
Ahja .. ist das sicher?! .. oder krieg ich jetzt nen wildfremden Menschen vor die Nase gesetzt, der dann mal eben über Mutters Gesundheit, Finanzen und Aufenthaltsort bestimmen kann??

Prima. Mutter liegt da jetzt, zugedröhnt, mittlerweile in nem Einzelzimmer (was ihr überhaupt nicht gefällt, weil es so leise ist), und es geht ihr von Tag zu Tag schlechter. Sehen kann sie auch kaum noch was .. ich musste ihr das Glas und den Butterkeks direkt in die Hand geben, weil sie sie 30cm vom Gesicht entfernt schon nicht mehr sehen konnte. Sie kann auch keinen Augenkontakt mehr herstellen - vermutlich, weil sie meine Augen einfach nicht sieht.
Bis auf den Butterkeks hat sie vermutlich auch wieder nichts gegessen. Da bringt ja nur jemand 3x am Tag ne Mahlzeit rein. Und räumt sie nach ner Stunde mit den Worten “Oh, Frau T., keinen Hunger?” wieder ab.
Wenn ich es nervlich und organisatorisch könnte, wäre ich ja den ganzen Tag da und würde mich darum kümmern. Aber ich kann es einfach nicht. Die 20-30 Minuten am Tag halte ich so gerade eben durch - mit ein bis zwei Pausen, um irgendwo unbemerkt zu heulen, ich will sie ja nicht aufregen ..

Aber ist ja egal, daß der verfluchte Tumor so schnell wächst, daß sie innerhalb von 5 Tagen ihr Sehvermögen verliert. Da kann man sich ja Zeit lassen. Klar, wenn der Chefarzt recht hat, und sie nur ne Probe entnehmen können, stimmt das sogar. Aber wenn nicht .. durch die verschobene OP verschiebt sich auch die Diagnose.. und damit die BEHANDLUNG. Es KÖNNTE ja noch eine Möglichkeit der Besserung geben. Glaubt mir, wenn sich herausstellen sollte, daß durch die Verzögerung irgendwas .. schief läuft .. daß man mir sagt, tja, vor ein paar Tagen hätten wir noch was machen können, aber jetzt .. echt, dann lauf ich in dem Krankenhaus Amok.

*seufz* .. machen kann ich jetzt übers Wochenende eh wieder nix. Und die ganze Wut, die ich jetzt im Bauch habe, hält auch nicht ewig. Dafür habe ich nicht die Kraft. Und es macht mich eigentlich auch nicht handlungsfähiger. Wenn ich wütend bin, rede ich eher wirres Zeug .. und eine “wütende Ansprache”, die keiner versteht, und die ich zig mal wiederholen muss, hat einfach keine Wirkung ..

Drückt mal die Daumen, daß ich da am Montag irgendwas erreiche ..

16.
7.

Auf .. und wieder ab ..

geschrieben am Donnerstag, 16. Juli 2009 um 19:09 in Familie

*seufz* .. gestern hatte ich noch ein echt nettes Gespräch mit einem Arzt. Der mir nochmal Alles erklärt hat - und der auch betonte, daß man sich noch nicht sicher sein kann, was es ist. Rein theoretisch wäre sogar noch was Gutartiges möglich, wenn auch wenig wahrscheinlich. Aber es gibt ja auch noch mehrere Grade von “Bösartigkeit”. Am Montag sollte möglichst viel des Tumors entfernt werden, auch wenn vermutlich nicht Alles erwischt werden kann, weil er recht tief liegt. Er meinte aber auch, daß sich die Symptome vermutlich nochmal verbessern werden, wenn ein Teil des Tumors entfernt wurde. Sie würden höchstwahrscheinlich nicht vollständig verschwinden, aber immerhin …
.. also insgesamt ein eher .. aufbauendes Gespräch ..

Heute rief mich dann der .. öhmm Chef- oder Oberarzt an. Der ironischerweise genau heute, wo ich den ersten Tag mal NICHT im Krankenhaus war, Zeit für mich hatte *rolleyes*.

Da klang die Sache dann doch etwas anders. Er meinte, es wäre wichtig, daß mal jemand “Klartext” mit mir redet (jepp, Alarmglocken an). Es sieht nicht gut aus. Er hat heute mit meiner Mutter gesprochen, und sie sei schon SEHR verwirrt (ach, echt?!?). Zusammen mit der MRT-Aufnahme eindeutig ein Zeichen für ein fortgeschrittenes Stadium. Die Aufnahme weise auch sehr stark auf das befürchtete Glioblastom hin. Außerdem gibt es auf dem Bild Anzeichen für einen zweiten Tumor .. also eigentlich erstmal nur eine “Kontrastmittelanreicherung”, aber es wäre gut möglich.
Er meinte auch, daß die OP wahrscheinlich nur auf eine Probenentnahme hinausläuft, da der Tumor sehr tief in wichtigem Gewebe liegt .. womit meine ergoogelten Hoffungsstorys von jahrelangem, fast symptomfreien Überleben trotz Glioblastom fast hinfällig werden, da diese immer darauf basieren, daß der Tumor fast vollständig entfernt werden konnte .. :(
Mutters “neue” Sehstörungen, die ich auf das Haldol geschoben habe (sie wird ruhiggestellt, damit sie nicht verwirrt im Krankenhaus rumläuft), kommen übrigens doch vom Tumor. Der liegt zwar im Temporallappen, Nähe Hippocampus und (Hypo?)Thalamus, aber die “Sehbahn” läuft direkt daran vorbei ..
Ja, Alles immer nur Wahrscheinlichkeiten, Verdacht hier, starke Vermutung da .. aber das Gespräch klang ziemlich nach dem typischen “bereiten Sie sich auf das Schlimmste vor” ..
Es wurde im Prinzip Alles bestätigt, was ich mir so zusammengegoogelt hatte ..

Nee, keine Sorge. So schnell gebe ich die Hoffnung trotzdem nicht auf. Es KÖNNTE immer noch etwas sein, das nicht so schlimm ist wie ein Glioblastom. Unwahrscheinlich, aber MÖGLICH. Und daran halte ich mich erstmal fest .. Genau werde ich das erst Ende nächster Woche wissen, und es macht keinen Sinn, mich jetzt schon bekloppt zu machen .. zum Glück habe ich ein Kind, das mich “erdet”, und für das eine weitergelebte Normalität wichtig ist. Und vor meiner Schwester muss ich ja auch “den Schein wahren”, denn sie weiß noch von nichts. Ich werde sie einbeziehen, wenn ich es genau weiß. Dann auch - im Fall des Falles - mit professioneller Hilfe .. die Sache ist für “normale” Menschen schwer genug, in eine geistig Behinderte und vermutlich auch psychisch Kranke will ich mich erst gar nicht hineindenken. Mal ganz davon ab, daß Mutter seit Ihrer Geburt die einzige “echte” Bezugsperson in ihrem Leben ist ..
.. aber wie gesagt, darüber mache ich mir Gedanken, wenn ich eine gesicherte Diagnose habe ..

Ich lenk mich jetzt erstmal mit Kochen und Kind ab .. liebe Kirsten: ich hätte Dich mit den “Neuigkeiten” (sofern es denn welche sind) direkt angerufen, aber mein Telefon muss erstmal auf die Ladestation .. kannst ja heute Abend nach halb 11 mal anrufen, falls Du das hier rechtzeitig liest .. ansonsten melde ich mich dann .. keine Sorge, jetzt im Moment geht es mir trotzdem ganz gut .. so, mein Kind hat Hunger ..

11.
7.

Drei Worte

geschrieben am Samstag, 11. Juli 2009 um 06:57 in Familie, Schlaflos

Ok. Ich geb’s auf. An Schlaf ist einfach nicht zu denken. Den Tag über kam ich eigentlich ganz gut damit zurecht, und die halbe Nacht habe ich mich mit arbeiten und lesen abgelenkt … aber sobald ich ins Bett gehe führen diese verdammten drei Worte zu Heulkrämpfen. Und damit ich nicht auch noch Mann und Kind wecke, stehe ich jedesmal wieder auf .. und um mich abzulenken, natürlich ..
.. “Verdacht auf Glioblastom” .. (bei Interesse bitte googeln) .. ja, es ist nur ein Verdacht .. mehr als diese drei Worte konnte ich im Krankenhaus nicht in Erfahrung bringen, da kein Arzt erreichbar war. Heute vermutlich auch nicht. Morgen .. vielleicht. Ich könnte kotzen bei so einer Betreuung …
.. also habe ich nur diesen einen Satz aus meinem halb-unerlaubten Blick in die Krankenakte .. und ein nachfolgendes, äußerst deprimierendes Googeln ..

Klar, ich versuche mich an die Hoffnung zu klammern, daß es doch was anderes ist. Irgendwas nicht so schlimmes. Aber selbst wenn … ich kann mir nicht vorstellen, daß noch irgendwas völlig Gutartiges dabei rauskommt. Und daß Mutters Symptome wieder weggehen ist auch sehr unwahrscheinlich … was im Prinzip bedeutet .. daß ich meine Mama schon letzten Samstag irgendwie .. verloren habe .. ja, klingt jetzt total bescheuert .. aber sie hat sich so verändert .. sie merkt sich nichts, rein gar nichts mehr .. ein normales Gespräch ist so gut wie nicht mehr möglich ..
… ich versuche krampfhaft, mich an die letzte Situation zu erinnern, in der sie noch “normal” war .. aber es fällt mir einfach nicht mehr ein .. die vorletzte Woche war sie ja auch schon krank, irgendwas mit dem Magen, und auch schon nicht mehr ganz auf der Höhe .. so im Nachhinein könnte die Übelkeit auch gar nix mit der diagnostizierten Magenschleimhautentzündung zu tun gehabt haben, sondern schon ein Symptom für erhöhten Gehirndruck gewesen sein .. aber wer geht schon bei Übelkeit mit Verdacht auf Hirntumor ins Krankenhaus?! .. was solls, unnütze Gedanken .. die Woche früher hätte nichts verändert .. am Wochenende jetzt machen sie im Krankenhaus ja auch nichts .. nehme ich an .. sagt mir ja keiner .. da liegt also meine völlig unzurechnungsfähige Mama, und die stellen vielleicht irgendwelche Sachen mit ihr an. Und ich erfahre es nicht. Weil sie auf den ersten Blick nicht unzurechnungsfähig erscheint, denke ich. Sie erinnert sich zwar an nix, aber zu irgendwas zustimmen oder was unterschreiben kann sie ja noch. Sie weiß es nur 2 Minuten später nicht mehr .. sie hat keine Chance, darüber nachzudenken. Sie nimmt einfach die aktuelle Situation als gegeben hin, denn es gibt nichts anderes mehr für sie. Man könnte ihr sagen, Frau T., wir amuptieren ihnen gleich das Bein, das ist notwendig .. ist das in Ordnung? .. und sie würde mit ziemlicher Sicherheit einfach Ja sagen, weil sie ja nichtmal weiß, warum sie im Krankenhaus ist .. mein Gefühl sagt mir, daß das dem Pflegepersonal dort noch nicht ganz klar ist .. ich hoffe, daß ich das in den nächsten Tagen irgendwie klären kann .. falls sich mal ein Arzt blicken lässt ..
.. es ist so grausam, Mutters Änderungen mit anzusehen .. aber so sehr ich meine “alte” Mama auch wiederhaben möchte - für sie ist es wohl besser so. Ich selbst kann den Gedanken schon nicht ertragen, daß sie Maya vielleicht nicht mehr aufwachsen sieht .. wie soll SIE sich fühlen, wenn sie weiß, daß sie sich von ihrer heißgeliebten Enkelin trennen muß?! .. ich kann da gar nicht drüber nachdenken, dann läuft mein Hirn Amok ..

.. und weil mein Hirn auch gerade schon in diese Richtung unterwegs ist, muss ich hier abbrechen. Ist ja auch alles sinnlos, wenn ich nicht mehr weiß als diese beschissenen drei Worte .. Ich werde jetzt die gefühlt 80te Zigarette rauchen, schon wieder irgendwas essen, das Buch zu Ende lesen, das schon fast zu Ende ist .. und dann doch noch irgendwie schlafen .. mit dem Wissen, daß ich mich morgen den Tag über wieder ganz gut halten werde .. übrigens ohne das Gefühl zu haben, daß ich mich verstelle oder was verdränge, es geht mir dann tatsächlich besser .. ist tagsüber wohl einfach nur leichter .. bis zur nächsten Nacht ..

10.
7.

Das passiert doch immer nur den Anderen?!

geschrieben am Freitag, 10. Juli 2009 um 00:01 in Familie

Ist doch so? Schlimme Dinge treffen nicht die eigene Familie, immer nur Fremde, ODER? .. *haumitkoppauftischkante*

Ich fang mal von vorne an, ist mir gerade nach ..

Alles begann damit, daß meine Mutter am Samstag plötzlich wirres Zeug von sich gab. Sie sollte mich zum Bahnhof fahren, sagte aber, sie fühle sich “hufflepuff” (!!!), außerdem müsse sie noch ein Brot backen. Und irgendwas mit Harry Potter war da auch noch… so völlig ohne Zusammenhang, und sie schien auch nicht zu begreifen, daß sie da gerade Mist erzählt ..
Ich bin da schon leicht alarmiert übers Wochenende weggefahren. Ich mein, vielleicht war sie ja doch gerade erst wach geworden, oder sie hat das Wetter nicht vertragen, oder zu wenig getrunken, oder oder oder … auch als sie dann am Samstag Abend am Telefon meinte, ob wir schon gefrühstückt hätten, habe ich versucht, mir noch keine allzu großen Sorgen zu machen ..

Leider war die Sache als ich wiederkam dann doch nicht vorbei. Sie hat zwar nicht mehr wirr dahergeredet, dafür war sie ungewöhnlich still. Und ständig müde. Sie hat den halben Tag verschlafen. Dazu dann schon recht große Kurzzeit-Gedächtnislücken.
Früher ist sie immer vormittags so gegen elf zu mir gekommen, zum brunchen, quatschen, Kind sehen .. die letzten Tage habe ich um 12 Uhr angefangen, sie zu wecken. Dann um halb 1 nochmal. Und um 1. Und um halb 2 .. und jedesmal hatte sie vergessen, daß ich sie schonmal angerufen hatte .. und das ging dann die ganze Woche so weiter ..

Dann hat mich heute vormittag meine Schwester angerufen, um von Problemen auf der Firma zu berichten. Dabei hat sie dann beiläufig erwähnt, daß Mama sie gestern Abend zur Arbeit schicken wollte. Außerdem würde in der Küche auf dem Herd das Essen vergammeln ..
Da habe ich mich spontan entschlossen, Mutters Hausärztin anzurufen. Die versprach dann, sich bei meiner Mutter zu melden ..

Daraufhin bin ich dann hoch zu meiner Mutter gegangen, um Bescheid zu sagen … da wurde mir dann erst so richtig bewusst, WIE gross die Gedächtnislücken sind.. ich habe ihr 5 oder 6 mal in nur wenigen Minuten Abstand gesagt, daß ihre Ärztin anrufen wird. Und sie hat es immer wieder vergessen. Sie saß einfach nur verwirrt auf dem Sofa.

Als die Ärztin dann anrief, haben sie kurz miteinander gesprochen. Sie würde dann abends zur Sicherheit mal vorbeikommen .. und die Ärztin gab mir den Auftrag, meine Mutter zum Trinken zu animieren. Wäre schließlich das Wahrscheinlichste, daß die ganze Verwirrung von Flüssigkeitsmangel kommt.

Also habe ich meine Mutter gebeten, mit nach unten zu kommen, weil ihre Wohnung nicht kindersicher genug ist, um sich dort länger mit einem Kleinkind aufzuhalten. Ja, kein Problem, sie wäre gleich da ..

.. nach ner halben Stunde habe ich angerufen .. sie wusste von nichts .. aber sie wäre gleich da .. das gleiche Spielchen nochmal ne halbe Stunde später, und dann nochmal .. nach ner weiteren halben Stunde habe ich sie dann persönlich abgeholt .. sie hatte sich wieder hingelegt, und wusste natürlich immer noch nichts davon, daß sie zu mir kommen sollte. Oder daß sie mit der Ärztin gesprochen hat. Oder das die Ärztin abends noch kommen will ..

Sie hat dann 2 Stunden halb schlafend auf meinem Sofa verbracht, während ich sie “gezwungen” habe, 2 Gläser Cola zu trinken und mal von nem Brötchen abzubeißen.

Als die Ärztin dann kam, hat sie sie direkt ins Krankenhaus geschickt. Der Flüssigkeitsmangel wäre schon erheblich, da sollte zur Sicherheit mal einer gucken ..

Also 3 Stunden in der Aufnahme .. ist ja nicht so, daß ich das nicht mittlerweile kennen würde .. nach EKG, großem Blutbild, Lungen-Röntgen, etc. war auch da die einhellige Meinung, daß die Verwirrtheit am Flüssigkeitsmangel liegt, und es war geplant, sie ein paar Tage dazulassen, vollzupumpen, und dann weiter zu schauen ..

Ich habe dann nochmal darauf hingewiesen, daß meine Mutter sich wirklich sehr verändert hat, und das ganze sehr plötzlich. Daraufhin wurde dann doch zur Sicherheit ein Neurologe hinzugezogen ..

Der hat dann nach den üblichen Händewackel- und Augenroll-Übungen erstmal nichts weiter feststellen können .. aber als ich dann gesagt habe, daß meine Mutter sich nicht daran erinnern kann, daß sie vor ner halben Stunde geröngt wurde, daß sie ihr Blut abgenommen haben, also praktisch nichts mehr von gesamten Aufenthalt, hat er sie doch nochmal befragt .. und stellte fest, daß sie sich nichtmal mehr erinnern konnte, welches Jahr wir haben ..

Also wurde ein CT angeordnet, und dann auch recht zügig durchgeführt.

Meine Mutter hat von alldem nicht wirklich viel mitbekommen. Sie hat nur immer wieder gesagt, sie wäre so schrecklich müde. Und ich sähe auch müde aus. Ich sollte mich doch hinlegen. … bis zum eintreffen der CT-Bilder habe ich ihr also immer wieder erklärt, daß ich mich im Krankenhaus nicht so einfach hinlegen kann ..

Nach ner gefühlten Stunde kam dann der Neurologe, tippt auf dem Computer rum, schaut sich die Bilder an .. und geht wieder. Ohne ein Wort zu sagen. Ich habe noch mitbekommen, wie er mit nem Kollegen telefoniert hat, mehr nicht ..
Nach ner weiteren halben Stunde kam dann die Stationsärztin zu mir, und hat mir endlich die Diagnose gesagt:

Gehirntumor.

Bamm. Einfach so. Wie groß, und was, und wie, und überhaupt, alles unbekannt (oder es wurde mir nur nicht gesagt ..). Da ist halt was in Mutters Gehirn, was da nicht hingehört. Näheres würde man in den nächsten Stunden / Tagen herausfinden, wenn die Neurochirurgen von ihrer OP wieder zurück sind und ein MRT gemacht wurde …
Da um den Tumor herum auch noch eine leichte Schwellung ist, liegt sie jetzt erstmal zur Sicherheit auf der Intensivstation und bekommt wohl sowas wie “abschwellende Medikamente”.

Und nun hocke ich hier. Und versuche mich in einer Mischung aus Verdrängen und “positiv Denken”. Also möglichst nicht drüber nachgrübeln, und wenn, dann immer an die Möglichkeit, daß es vielleicht gar nicht so schlimm ist. Immerhin weiß ich ja noch gar nix. Ist vielleicht gutartig, wird rausgeschnitten, fertig. Oder ist einfach mit Tabletten zu behandeln. Kann ja Alles sein ..

.. dummerweise sagt mein Bauchgefühl was anderes. Die mitleidigen Blicke der Krankenschwestern und das beiläufige, mitfühlende Schulter-Streicheln der Ärztin sind halt doch nicht spurlos an mir vorbei gegangen ..
.. außerdem neige ich eh dazu, immer vom Schlimmsten auszugehen. Eigentlich ganz praktisch, weil man dann - zumindest theoretisch - darauf vorbereitet ist. Aber alleine der Gedanke, daß meine Mutter vielleicht ihre Enkelin nicht mehr aufwachsen sieht, ist schon so schmerzhaft, daß ich zwischendurch doch immer mal in Tränen ausbreche ..

Nungut. Heute Nacht wird sich an der Situation erstmal nichts ändern. Morgen weiß ich vielleicht schon mehr. Und es ist auch irgendwie tröstend, daß meine Mutter alles wieder vergißt - also auch die ganzen Untersuchungen, und vermutlich auch die Diagnose .. als ich mich auf der Intensivstation von ihr verabschiedet habe, machte sie zumindest den Eindruck, als ob sie immer noch nicht so genau weiß, was sie eigentlich im Krankenhaus soll ..

Dann drückt mal die Daumen, daß die Sache dann doch noch irgendwie .. positiv endet. Also so positiv, wie es unter den Umständen möglich ist …

29.
6.

Katze abzugeben ..?

geschrieben am Montag, 29. Juni 2009 um 00:05 in Familie

Ich bin gerade tottraurig :( .. ich befürchte, ich werde meine kleine, süße Jenna abgeben müssen. Nach fast 9 Jahren.

Auslöser ist der Wutanfall meines Mannes, als er bemerkt hat, daß sie ihm Schuhe und Arbeitsanzug vollgepinkelt hat. Mal wieder. Wie gesagt - Auslöser, nicht der Grund!
Der Grund ist, daß ich das Gefühl habe, daß sie sich hier einfach nicht mehr wohl fühlt. Und das drückt sie unter anderem eben mit dem Protestpinkeln aus.

Angefangen hat das ja schon vor über anderthalb Jahren, als Maya geboren wurde. Ganz am Anfang ging es noch, aber seit mein Kind “grapschen” kann, ist Jenna eigentlich nur noch auf der Flucht. Zum Protestpinkeln kam es da zwar noch nicht, aber sie hat sich da schon ziemlich zurückgezogen.

Dann ist irgendwann Fly, ihre Schwester gestorben. Und sie wurde nochmal ein ganzes Stück ruhiger.
Den “Rest” haben wir ihr dann wohl gegeben, als der Kater ins Haus kam. Hätte ich vorher geahnt, daß sie ihn einfach nicht leiden kann, hätte ich ihn ja niemals geholt. Aber ich dachte ja, sie ist Zweisamkeit gewöhnt, und da sie immer stiller wurde, dachte ich, ich tue ihr was Gutes, wenn sie wieder einen Spielkameraden bekommt :( Ich hab ja auch wochenlang gehofft, daß sie sich noch aneinander gewöhnen. Zeitweise sah es ja auch ganz gut aus, nach ein paar Wochen haben sie sich sogar EINMAL ein Kissen geteilt.
Das war’s dann aber auch. Wir haben den Kater jetzt seit November, über ein halbes Jahr - und sie faucht ihn immer noch an, wenn er näher als 2 Meter kommt :( .. und seit etwa diesem halben Jahr pinkelt sie eben alles an, was auf dem Boden liegt. Und besonders gerne alles, was nach meinem Kind riecht ..

Und ihr gesamtes Verhalten zeigt mir, daß sie eigentlich einfach nur ihre Ruhe will. Sie kommt nur noch alle paar Tage an, um mit mir zu schmusen. Ansonsten ist sie immer nur auf der Suche nach einem ungestörten Plätzchen und läuft geduckt durch die Gegend. Zuletzt habe ich sie ab und zu liegend im Katzenklo gefunden .. ich mein .. wie schlecht muss es einer Katze gehen, damit sie sich freiwillig in ein müffelndes Katzenklo legt?! Ist ja nicht so, daß sie es nur macht, wenn es gerade “frisch” ist :(

Normalerweise sollte man ja sagen, daß die ältere Katze auch die älteren Rechte hat, ergo müsste der Kater wieder gehen. Aber da spielen ja auch schon wieder andere Faktoren eine Rolle. Der Kater ist zB ein super Spielkamerad für meine Tochter, während Jenna sie nur anfaucht und auch schon mehrfach gekratzt hat. Der Kater pinkelt (höchstwahrscheinlich) auch nichts an. Das wird zu einem wichtigen Argument, wenn das Kinderzimmer erstmal fertig ist - wir müssten versuchen, Jenna irgendwie aus dem Kinderzimmer rauszuhalten. Denn nur, weil der Kater dann weg wäre, mag sie mein Kind ja nicht lieber .. und ein stinkendes, vollgepinkeltes Zimmer möchte ich meiner Tochter ja nun auch nicht antun.
Mal ganz davon ab, daß es meiner Katze ja auch nur halb-gut gehen würde, wenn das Kind so einen Stress verursacht :(

*seufz* .. ich liebe Jenna. Sie ist seit 9 Jahren Familienmitglied. Sie ist eingezogen, als sie gerade 4 oder 5 Wochen alt war. Und Fly habe ich ja schon verloren. Ich heule schon seit ner Stunde, obwohl die Entscheidung noch gar nicht gefallen ist. Und jetzt, wo ich zu ihr rüber gucke, sieht sie auch gar nicht mehr so traurig aus wie sonst. Kind ist ja im Bett, der Kater wärmt hier mit dem Hintern meine PC-Maus, jetzt hat sie ja Ruhe ..
Aber was, wenn es ihr woanders wirklich besser geht? Was bin ich für ein Katzenhalter, wenn ich meiner unglücklichen Katze nicht helfe, nur weil ich sie unbedingt behalten will? Ich mein, wenn sie schwer krank wäre und es stünde die Entscheidung an, ob sie eingeschläfert werden muss - dann würde ich sie ja auch erlösen, und nicht weiter leben lassen, nur damit ich sie noch nicht gehen lassen muss ..

Ich müsste also einen ruhigen, kinderlosen Haushalt finden, der meine 9 Jahre alte Katze als Einzelkatze aufnimmt (wobei ich natürlich nicht sicher sein kann, ob sie nicht vielleicht doch eine ruhige, ältere Zweitkatze akzeptieren würde, die sie nicht ständig mit Spielaufforderungen “belästigt”). Die zwar lieb und zutraulich ist, aber dennoch öfter mal ihre Ruhe braucht. Die evtl. auch dort zwischendurch mal stress- oder protestpinkelt, vielleicht auch ne Zeit lang am Anfang, wegen der Umstellung. Die auch immer wieder Probleme mit ihrem linken Ohr hat und zwischendurch behandelt werden muss. … habe ich da überhaupt eine Chance? .. Ins Tierheim geben kann ich sie auf keinen Fall, ich will, nein, ich MUSS wissen, wo sie unterkommt…
Gut, auf der positiven Seite steht, daß sie keinen Freigang braucht. Außerdem kratzt sie nicht an Möbeln oder Wänden, räumt keine Regale leer, wühlt nicht in Mülltüten, bettelt nicht und frisst eigentlich alles…

Ach, ist doch alles scheiße. Ich hab die fürchterliche Vorstellung im Kopf, daß ich sie abgebe, und es geht ihr trotzdem nicht besser. Oder daß wir im Nachhinein doch noch herausfinden, daß der Kater genauso Alles anpinkelt und mein Mann dann immer noch regelmäßig ausrastet (ist sehr unwahrscheinlich - Jenna habe ich schon zigmal erwischt, den Kater noch nie ..).

Also nochmal ne Nacht drüber schlafen. Und heulen. Nein, ich will sie nicht abgeben. Es wird mir eine lange Zeit sehr schlecht gehen, wenn ich es tue. Aber immer noch besser, als wenn es IHR den Rest ihres Lebens schlecht geht :(

Nachtrag
so .. es ist jetzt 5 Uhr morgens. Und ich heule seit geschlagenen 2 Stunden durch. Beim kleinsten Gedanken daran, Jenna wegzugeben, kriege ich sofort nen Heulkrampf .. :( .. ich kann mir noch so oft einreden, daß sie ja eh nicht mehr so oft zum Schmusen kommt, daß es ihr woanders besser geht, daß es im Grunde “nur” ein Tier ist, etc. .. es nützt nix .. ich bin völlig am Ende .. ich will mir gar nicht ausmalen, was passiert, wenn wirklich jemand käme um sie mitzunehmen .. entweder, ich fall schon vorher vor den Leuten auf die Knie und bettel darum, sie hierzulassen .. oder ich breche völlig zusammen, wenn sie aus der Tür raus sind. Und werde dann meinen Mann tagelang heulend anflehen, sie zurückzuholen .. meine Güte, ich musste mich schon so richtig zusammenreißen, um meine tote Fly nicht doch noch wieder auszugraben (!!) .. wie soll das werden, wenn ich weiß, daß Jenna noch “irgendwo” ist, und ich nicht zu ihr darf?? .. ich glaub, ich pack das einfach nicht ..

23.
6.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

geschrieben am Dienstag, 23. Juni 2009 um 04:38 in Schlaflos

Boah gehts mir schlecht .. :( .. die Zahn-OP ist jetzt knapp 10 Stunden her, und die Nachwirkungen sind immer noch heftig. Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Nasenschmerzen, Übelkeit .. dazu immer noch dieser gräßliche Geschmack im Hals, wenn ich huste oder niese.. und weil mir der ganze Scheiß während der OP in den Rachen gelaufen ist, mache ich das noch ziemlich häufig. Und es tut jedesmal weh.
Besonders schlimm sind diesmal auch die Depressionen. Vermutlich durch die Narkosemittel, vielleicht verstärkt durch den Koffein-Entzug, keine Ahnung. Ich weiß nur, daß ich schon beim aufwachen heulen musste. Nein, nicht vor Erleichterung, weil es vorbei ist. So war das früher mal. Ich kann mich noch erinnern, daß ich nach meiner allerersten ZahnOP vor FREUDE geheult habe, weil ich es überstanden hatte…
Aber nach der 8ten Narkose für ne Zahnbehandlung ist es eigentlich nur noch .. ätzend. Sozusagen “Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.” In absehbarer Zeit wird es wieder genauso sein. Die Panik. Die Schmerzen. Die häßlichen, kaputten Zähne. Das abartige Gefühl beim Spritzen der ersten Narkosemittel. Das noch abartigere Gefühl beim wieder Aufwachen. Hat wieder mal ewig gedauert diesmal, hab ja gerade ne “schwere Phase”, sprich: ich krieg Mittel, die nen kleinen Elefanten umhauen würden. Und dann dauert das entsprechend lange. Und ich wollte einfach nur kotzen. Heulen. Wieder einschlafen. Aufstehen. Mich endlich bewegen können. Die Schmerzen loswerden. Die blöde Kanüle rausziehen, die IMMER weh tut. Alles gleichzeitig.
Danach dann die erschreckende Erkenntnis, das WIEDER irgendwas schiefgelaufen ist. Irgendwas ist immer. Diesmal hat der Zahnarzt ne riesige Beule am Zahnfleisch übersehen, obwohl ich die Sprechstundenhilfe vorher darauf hingewiesen habe. Er war dann hinterher sichtlich erschrocken, und rätselt wohl jetzt immer noch, von welchem Zahn das nun kommt.
Außerdem hat er mir ganz stolz erzählt, daß bei einem Zahn der Nerv freilag, und er ihn eigentlich hätte ziehen können. Aber er hat ihn noch gerettet … ok, wenn der Nerv sich nicht beruhigt und weiter weh tut, dann wird der Nerv halt demnächst gezogen. Da bräuchte man dann ja auch keine Narkose für … *haumitkoppauftischkante* .. er hat wohl immer noch nicht begriffen, daß ich mir von ihm nichtmal die Zähne PUTZEN lassen würde. Da “mal eben” nen Nerv rauszuziehen ist .. unmöglich. Ja, unmöglich. Was im Zeifelsfall heißt: Schmerzen bis zur nächsten Narkose. Nur weil die Ärzte jeden beschissenen Backenzahn retten wollen. Warum nur, warum … ich hab auf der anderen Seite schon eine Zahnlücke, die stört mich nicht im geringsten. Vielleicht Alles nur eine Geldfrage. An gezogenen Zähnen kann man ja nix mehr verdienen :( .. Ich hab dann auch direkt mal gefragt, was ich tun muss, damit mir endlich ALLE Zähne gezogen werden und ich ein Gebiss kriege. Er meinte dann nur, daß damit die Probleme erst anfangen würden, so von wegen Druckstellen, wackelndes Gebiss, etc. .. ahja .. was sind Druckstellen und ein wackelndes Gebiss gegen ständige Panik, Zahnschmerzen, Wurzelentzündungen, Scham wegen der häßlichen Zähne, das regelmäßige Risiko während der Vollnarkose?! .. sorry, aber für mich ist die Vorstellung eines Gebisses schon nahezu .. himmlisch. Und da die Phobie ja auch immer schlimmer wird .. seit ein paar Tagen habe ich nämlich ein neues Symptom - ich würge jetzt beim Zähneputzen. Na, das wird noch lustig in den nächsten Jahren :(
Ich weiß auch nicht, was ich machen soll, wenn ich mal nen Zahn im Frontbereich verliere .. gibt es da überhaupt ne Lösung, die komplett unter Vollnarkose fertig gestellt werden kann? Brücken, Kronen, etc. werden ja immer nachher eingebaut, das fällt flach .. Implantate sind zu teuer … also schonmal trainieren, mit der Hand vorm Mund zu lachen, damit man später die Lücken nicht sieht .. :(
Also, falls hier ein Zahnarzt mitliest, der mich endlich “erlösen” kann und bereit ist, mir alle Zähne zu ziehen - bitte melden Sie sich.

Ich weiß nicht, ob sich jemand vorstellen kann, wie sehr ich gerade die Schnauze voll habe. Direkt nach dem Aufwachen habe ich sogar echt gedacht: wenn ich das noch ein paar Mal mitmachen muss, spring ich lieber von irgendner Brücke, dann is endlich Ruhe.
Keine Sorge, ich habe schon ewig keine Selbstmordgedanken mehr. Aber in solchen Momenten, wenn man dann noch völlig benebelt ist .. *seufz*

.. und die dicke Rechnung kommt auch noch. Man muss ja für die blöden Kunststoff-Füllungen, die teilweise nur 1-3 Jahre halten, ordentlich zuzahlen. Ich glaube irgendwas ab 20 Euro pro Füllung. Und da bei mir über 20 Zähne kaputt waren .. oha .. das wird teuer. Ganz ehrlich - für Füllungen im nicht sichtbaren Bereich hätte ich gerne wieder Amalgam. Ja, ich weiß, ungesund. Aber die halten wenigstens halbe Ewigkeiten. Ich kann mich nicht erinnern, jemals ne Amalgam-Plombe verloren zu haben. Die wurden alle nur nach und nach ersetzt. Von den Kunststoffdingern hab ich bestimmt schon 6 oder 7 Stück im Laufe der Jahre verloren ..
Keramik wäre noch schön, aber das kann sich ja kein Schwein leisten. Außerdem sind das glaube ich Inlays, die sich nicht komplett während der Vollnarkose herstellen und einbauen lassen …

Najut, was kleines Positives gibt es auch zu berichten - der Arzt hat meine Schneidezähne diesmal echt super hinbekommen. Die Füllungen haben nahezu das Gelb meiner Zähne und sie fallen kaum auf. Jedenfalls um Lichtjahre besser als die am Schluss wirklich auffallenden, braun-schwarzen Löcher. Und es sind diesmal auch nicht alle Lücken zugeschmiert wie beim .. öhmm .. letzten oder vorletzten Mal. Nee, doch, sieht echt OK aus. Nicht für lange, aber immerhin.

So. Ich geh dann noch ne Stunde heulen aufm Sofa. Dann muss mein Mann zur Arbeit, und ich muss dann seinen Platz im Familienbett einnehmen. Meine Maus schläft ja immer noch nicht alleine. Oh, mein liebes süßes Kind .. ich wünsche Dir so sehr, daß Du nicht meine beschissenen Zähne geerbt hast. Dein Papa hat zwar auch ein paar Füllungen von früher, aber seit ich ihn kenne hat er keine Schwierigkeiten mit seinen Zähnen, und das sind nun schon über 10 Jahre. Beneidenswert. Und da Du Mundpartie und Zahnstellung schon von ihm geerbt hast, hoffe ich sehr, daß die “Substanz” da auch zugehört…

20.
6.

Alltime Favourites VIII

geschrieben am Samstag, 20. Juni 2009 um 03:42 in Musik

Öhmm … nagut .. ALLTIME favourite ist hier vielleicht übertrieben ;) .. aber ich fand das Lied früher ganz toll, und außerdem ist mir gerade langweilig und mir ist - mal wieder - nix besseres für mein Blog eingefallen .. also dann: Viel Spaß :D

.. hmm .. obwohl .. ich glaub, “Crucified” fand ich mindestens genauso gut .. na, was solls *g*:

Miezes Welt läuft stressfrei mit WordPress | WPD | Beiträge (RSS)