Tagsüber ging es mir eigentlich “den Umständen entsprechend” gut. Ich heule immer noch zwischendurch unkontrolliert los, aber die Abstände scheinen größer zu werden… nur bei der Beerdigung im Garten bin ich fast zusammengebrochen
.. ich habe immer gesagt, ich verstehe die Leute nicht, die ihre Haustiere ausstopfen lassen. Aber als ich heute das letzte Mal meine Katze auf dem Arm hatte, hätte ich ALLES dafür gegeben, sie nicht hergeben zu müssen - mir war egal, daß sie tot ist, ich wollte sie einfach nur behalten, um mich haben, weiter sehen und anfassen können… aber nüchtern betrachtet wäre das Präparieren vermutlich keine gute Idee - zum einen weiß ich nicht, ob ich den Anblick auf Dauer ertragen könnte, zum anderen kann man nie sicher sein, daß der Präparator die Statur/Mimik so hinbekommt, wie sie früher war. Und wenn hinterher auch nur das kleinste Detail nicht stimmt .. nein .. das ginge nicht.
Aber in dem Moment .. und eigentlich auch jetzt immer noch .. ich will sie einfach nur zurück .. meine kleine, dicke Katze ..
.. mein Mann hat mir die Entscheidung abgenommen, er könnte niemals mit einer ausgestopften Katze leben .. auf lange Sicht ist das vermutlich auch besser so ..
Im Moment versuche ich krampfhaft, mich davon zu überzeugen, daß ich nichts hätte tun können, um sie zu retten. Aber die Schuldgefühle .. ca. 2 Stunden vorher hat sie in einer Wohnzimmerecke gelegen, in der sie sonst nie liegt, und als das Kind hingekrabbelt ist, ist sie nur aufgestanden und weggegangen - allerdings mit offenem Mund. In dem Moment habe ich mir nichts dabei gedacht, aber jetzt verfolgt mich dieses Bild .. wenn ich sie da schon zum Notdienst gebracht hätte .. hätte sie noch eine Chance gehabt? Was wäre gewesen, wenn ich danach nicht auf dem Sofa eingeschlafen wäre - hätte ich ihr früh genug etwas angesehen ..? Die Ärztin meinte zwar, man hätte VIELLEICHT noch etwas machen können, wenn man es vor EIN PAAR TAGEN gemerkt hätte .. aber vielleicht hätten ein paar Stunden auch schon gereicht? Aber hätte ich sie wirklich bei den kleinsten Krankheitsanzeichen zum Notdienst gefahren? Da hätte sie schon “richtig” krank aussehen müssen, ansonsten hätte ich wohl gesagt, wir warten bis zum nächsten Tag und fahren regulär zum Tierarzt… und genauso gut hätten wir sie morgens finden können - sollte ich mir da vorwerfen, daß ich nachts geschlafen habe?
Ach, die Gedanken kreisen einfach nur .. und die Tränen fliessen .. ich versuche, die “positiven” Dinge zu sehen. Ihr Tod war bestimmt nicht “friedlich”, aber immerhin recht schnell. Sie musste sich nicht wochen- oder monatelang mit Schmerzen quälen. Außerdem blieb mir die Alptraum-Eintscheidung zum Einschläfern erspart. Mein Kind ist auch noch zu klein, um irgendwas davon mitzukriegen. Und für mich wäre der Verlust wohl ohne Kind noch schlimmer gewesen .. nicht, weil ich meine Katze jetzt weniger lieb gehabt hätte, sondern weil mein Kind mich ohne Rücksicht fordert - da kann ich es mir einfach nicht leisten, einfach “zusammenzubrechen”, wie ich es mir nach meinen Horror-Träumen, in denen ich eine Katze verliere, immer vorgestellt habe ..
Ich muss sehen, daß das Leben irgendwie weiter geht. Auch wenn es wahnsinnig schwer fällt .. sämtliche Handgriffe im Alltag sind heute etwas mühsamer, über Allem liegt irgendwie ein Schatten, es tut einfach so furchtbar weh… ich warte immer noch darauf, daß sie sich hier rechts an meinem Drehstuhl hochzieht, mir die Krallen in den Oberschenkel haut um sich dann mit ihrem dicken Hintern auf die Tastatur zu setzen und mir die Brille von der Nase zu klauen ..
Ich werde jetzt versuchen, irgendwie die Nacht umzukriegen .. werde vermutlich irgendwelche dämlichen Online-Spiele spielen oder DVDs gucken .. und den starken Drang bekämpfen, in den Garten zu gehen und meine geliebte Fly auszugraben, um sie noch einmal im Arm zu halten .. nur noch ein einziges Mal .. 